Personalbindung: Die erfolgreichsten Maßnahmen, um Professionals zu halten

Mitarbeiterbindung und Personalbindung | TechMinds„Menschen sind Wunder. Keine Ressource“, stellt der Wirtschaftsphilosoph Frederic Laloux fest und beschreibt damit präzise die sich verändernde Situation von Arbeitnehmern auf dem Arbeitsmarkt. War das Verhältnis zwischen Kandidaten und zu besetzenden Stellen vor Jahren noch ausgewogen, herrscht mittlerweile ein großes Ungleichgewicht – mit gravierenden Folgen: vor allem die IT-Branche ist von einem starken Fachkräftemangel betroffen. Qualifiziertes und motiviertes Personal zu finden, gestaltet sich zunehmend schwieriger. Laloux’ Zitat ist ein Appell an Führungskräfte, diesen Wandel zu verinnerlichen und mehr Wert auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu legen, wollen sie diese im Unternehmen halten. Es lohnt sich, in eine erfolgreiche Personalbindung zu investieren. 

In den Führungsebenen einiger Unternehmen hat sich bereits ein Umdenken etabliert, das darauf abzielt, qualifizierte Professionals langfristig an den Betrieb zu binden: Arbeitnehmer sind nicht nur notwendige Ressource, um die Unternehmensziele zu erreichen, sondern Persönlichkeiten mit bestimmten Fähigkeiten und Talenten sowie Wünschen und Ansprüchen. Entspricht ein Unternehmen diesen Anforderungen nicht, schauen sich viele Arbeitskräfte nach einem anderen Arbeitgeber mit passenderen Werten und Benefits um. Laut einer internationalen Umfrage der Boston Consulting Group (BCG) möchten 73 Prozent der IT-Kräfte in den nächsten zwei bis drei Jahren ihren Job wechseln. Es ist also höchste Zeit, dieser Wechselbereitschaft mit entsprechenden Maßnahmen entgegenzuwirken

Welche Mittel sich als erfolgreich erwiesen haben, um Fachkräfte zu halten, wie die sechs Säulen der Personalbindung aussehen und wieso Unternehmen im Jahr 2022 nicht auf diese Instrumente verzichten sollten, lesen Sie in diesem Artikel. 

Was bedeutet Mitarbeiterbindung?

Der Begriff ‚Mitarbeiterbindung‘ steht im Rahmen der Personalpolitik für Maßnahmen, die darauf abzielen, Beschäftigte auf lange Sicht an ein Unternehmen zu binden. Im HR-Bereich werden alle Instrumente zur Personalbindung auch als ‚Retention Management‘ bezeichnet. Oberstes Ziel ist es, dass wertvolle, gut ausgebildete Professionals dem Betrieb loyal gegenüber stehen, möglichst lange Teil des Teams bleiben und so wichtiges Know-how im Unternehmen bleibt. Ein gutes Retention-Programm sorgt einerseits für zufriedene Mitarbeiter und verhindert andererseits eine hohe Fluktuation. Grundvoraussetzung hierfür sind geeignete Maßnahmen, die das Personal an den Betrieb binden. Zum Einsatz kommen nicht nur geldwerte Vorteile, sondern auch Motivationsfaktoren wie Freizeit- und Arbeitszeitmodelle oder spezielle Förderprogramme.

Corona-Pandemie: Relevanz von Personalbindung nimmt zu  

Mittel zur Personalbindung sind vor allem während der Corona-Pandemie in den Vordergrund getreten. Mit COVID-19 ist ein neues Zeitalter angebrochen, das auch den Arbeitsmarkt nachhaltig verändert und die Relevanz der Personalbindung steigert: Selten war es wichtiger, für ein gutes Team- und Zusammengehörigkeitsgefühl von Mitarbeitern und Unternehmen zu sorgen. Laut einer Studie von Statista wünschen sich 56 Prozent der Arbeitnehmer und Führungskräfte ein angenehmes Betriebsklima und sehen dies auch als geeignetes Instrument zur Mitarbeiterbindung.

Um als Unternehmen attraktiv für neues und bestehendes Personal zu sein, sind für 50 Prozent der Befragten flexible Arbeitszeiten und eine marktgerechte Entlohnung (44 Prozent) ausschlaggebend. Übrigens setzt die Personalbindung nicht erst bei bereits im Unternehmen tätigen Fachkräften an, sondern beginnt schon im Bewerbungsprozess. Der Grund hierfür ist evident: Mit attraktiven Mitarbeiter-Benefits steigt für Unternehmen die Chance auf Bewerbungen von High Potentials. Wenn sich diese von Anfang an wohlfühlen und mit den Werten des Arbeitgebers identifizieren können, bleiben sie dem Unternehmen lange treu. 

Personalbindung: Vorteile 

Egal ob neue Professionals oder langjährige Mitarbeiter: Personalbindung lohnt sich für jedes Unternehmen – unabhängig von dessen Größe. Ein großer Vorteil liegt für Betriebe dabei in der Einsparung von unnötigen Kosten:  Gut eingearbeitete Arbeitnehmer mit langer Betriebszugehörigkeit und Know-how sind goldwert, da sie ihren Job gewinnbringend ausführen. Verlässt eine Arbeitskraft nach Jahren das Unternehmen, hinterlässt sie ein großes Loch: einerseits in ihrem früheren Tätigkeitsbereich, aber auch in der Kasse des ehemaligen Arbeitgebers. Schließlich war sie in die betrieblichen Strukturen und Arbeitsprozesse integriert und hat ihre Aufgaben eigenverantwortlich ausgeführt. Auf den Verlust eines High-Potentials folgt daher ein meist langwieriger und kostenintensiver Recruiting-Prozess, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist. Auch Onboarding und Einarbeitung des neuen Mitarbeiters sind zeitaufwendig und kommt Unternehmen oft teuer zu stehen. 

Ein weiterer Vorteil aktiver Personalbindung ist zudem, dass sich die Maßnahmen positiv auf das Employer Branding auswirken: Die Anzahl an Bewerbungen steigt, die Chancen auf qualifiziertes Personal damit ebenfalls. 

Daraus ergeben sich weitere Vorteile: Erfolgreiche Mitarbeiterbindung erhöht die Zufriedenheit bestehender Arbeitskräfte, die Ihr Unternehmen weiterempfehlen. Zufriedenheit im Team steigert die Produktivität und Eigeninitiative aller Mitarbeiter und hält die krankheitsbedingten Fehlzeiten gering. Außerdem haben erfüllte Arbeitnehmer keine Gründe für einen Jobwechsel und sind länger bei ihrem Arbeitgeber tätig. Somit reduziert eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung die Fluktuationsrate enorm. 

5 Vorteile der Mitarbeiterbindung | TechMinds

Mitarbeiterbindung: Die 6 Säulen der Personalbindung

Nur wenige Unternehmen investieren bisher in nachhaltige Mitarbeiterbindung: Der Anteil der Arbeitnehmer, die sich nicht mehr mit ihrem Arbeitgeber identifizieren können, steigt daher kontinuierlich. So gaben im jährlich erhobenen Gallup Engagement Index 2021 lediglich 61 Prozent der Professionals an, auch 2022 bei ihrem aktuellen Arbeitgeber tätig sein zu wollen. 2019 waren es hingegen 73 Prozent. Diese steigende Bereitschaft zu einem Jobwechsel resultiert in geringer Motivation und somit sinkender Produktivität unter der Belegschaft.

Um dieses Szenario in Ihrem Unternehmen zu vermeiden, sollten Sie sich an die sechs Säulen der Personalbindung halten. Diese orientieren sich an den vier Ebenen der Mitarbeiterbindung: der perspektivischen, der normativen, der rationalen und der emotionalen Bindung und den damit verbundenen Maßnahmen (siehe Grafik). Im Gegensatz zum Ebenenmodell, das die einzelnen Bindungsarten voneinander trennt, ist das Säulenmodell integrativ ausgerichtet: Jede Säule enthält jeweils Aspekte aller vier Ebenen, also normative, emotionale, perspektivische und rationale Ansätze der Mitarbeiterbindung. 

Für die Definition geeigneter Maßnahmen zur Personalbindung in Ihrem Unternehmen lohnt sich der Blick auf das Profil zukünftiger Fachkräfte: Während die Post-Millennials (Jahrgang 1997–2012) bereits in den Startlöchern stehen, erobert die ‚Generation Y‘ den Arbeitsmarkt zunehmend. Sie unterscheiden sich maßgeblich von allen vorherigen Altersgruppen, denn als ‚Digital Natives‘ sind die zwischen 1980 und 1996 geborenen Menschen mit dem Internet aufgewachsen. Deshalb wünschen sich High Potentials von ihrem (zukünftigen) Arbeitgeber einen hohen Grad an Digitalisierung in Deutschland. Wichtig ist der Generation Y zudem die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit, Nachhaltigkeit und eine angemessene Work-Life-Balance. Sie sind im Job stets auf der Suche nach einem Mehrwert. Um gut ausgebildete Millennials als Arbeitskräfte halten zu können, müssen Sie möglicherweise Ihre Werte und Arbeitsstrukturen neu denken und entsprechend anpassen. 

4 Arten der Mitarbeiterbindung | TechMinds

#1. Säule: Arbeitsorganisation und Arbeitsumfeld

Mitarbeiter verbringen in der Regel die meiste Zeit ihrer Woche auf der Arbeit. Daher ist es für die Personalbindung wichtig, dass sich Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen und in ihren Aufgaben einen Sinn sehen, sich auf eine gewisse Weise gebraucht fühlen. 

Mit diesen neun Maßnahmen schaffen Sie Ihren Mitarbeitern ein angenehmes Umfeld: 

  • sinnstiftende Aufgaben
  • Homeoffice bzw. remote von verschiedenen Orten arbeiten (Stichwort ‚Workation‘)
  • attraktives Gehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • flexible Arbeitszeitmodelle (z.B. Voll- und Teilzeit oder Gleitzeitmodelle)
  • Sabbaticals
  • Parkmöglichkeiten
  • Betriebsfeiern
  • kostenlose Getränke und Snacks
  • ansprechend gestaltete Sozial-/Pausenräume

#2. Säule: Gesundheit, Freizeit und Sport

Leistungsfähigkeit im Job erfordert körperliche und geistige Fitness. Vor allem bei engagierten Professionals kommen Work-Life-Balance und sportliche Betätigung oft zu kurz. Dabei ist ein Ausgleich sehr wichtig. Gibt es diesen nicht und verbringen die Arbeitnehmer mehr Zeit auf der Arbeit als zu Hause, führt das früher oder später zu psychischen Erkrankungen, die nicht selten physische Symptome mit sich bringen. Die Zahl der an Burnout erkrankten Menschen steigt in Deutschland von Jahr zu Jahr: Laut Statista wurden 2019 knapp 6.000 Arbeitsunfähigkeitsfälle bei der Krankenkasse AOK gemeldet. 2010 waren es 4.000 und 2004 gerade einmal 600. Doch nicht ein hohes Arbeitspensum allein führt zum Burnout: Vielmehr resultiere eine dauerhafte Nichtbeachtung der eigenen Bedürfnisse in dem Gefühl völlig ausgebrannt zu sein, so Unternehmensberaterin und Business-Coach Tanja Reiter. 

Als Arbeitgeber können Sie selbstverständlich nicht die persönlichen Bedürfnisse jedes Mitarbeiters kennen, aber Sie haben die Möglichkeit, mit entsprechenden Maßnahmen einen Anreiz zu schaffen, damit Arbeitnehmer sich mehr mit ihren eigenen Bedürfnissen auseinandersetzen. 

Fördern und unterstützen Sie als Arbeitgeber die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter, fühlen sich die Arbeitnehmer zusätzlich wertgeschätzt und umsorgt. Dadurch sichern Sie sich engagierte und leistungsfähige Professionals, die Ihr Unternehmen voranbringen.

Entsprechende Instrumente, um die Personalbindung auf der physischen Ebene zu unterstützen sind: 

  • betriebliche Altersvorsorge 
  • betriebliches Gesundheitsmanagement
  • betriebliche Krankenversicherung
  • Zuschüsse zur Vermögensbildung
  • Gesundheitstage 
  • Sportkurs-Angebot 
  • kostenloses Gesundheits-Check-Up

#3. Säule: Karrieremöglichkeiten der Arbeitnehmer

Weltweit erwarten Professionals zwischen 18 und 49 Jahren von ihrem Arbeitgeber, dass er in ihre Weiterbildung investiert. In Deutschland sind das 69 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und 61 Prozent der 30- bis 49-Jährigen – das ergab eine Studie von Udacity und Ipsos aus dem Jahr 2021. Ein wichtiges Instrument in der Mitarbeiterbindung ist somit das Angebot von Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten in Ihrem Betrieb. 

Immer mehr IT-Unternehmen bekommen zudem die Auswirkungen des Fachkräftemangels zu spüren und suchen händeringend nach geeignetem Personal. Einige Firmen stellen mittlerweile auch Arbeitskräfte ein, die nicht alle geforderten Skills mitbringen und setzen im Laufe des Beschäftigungsverhältnisses auf Weiterbildungsangebote. So können diese Mitarbeiter ihr spezifisches Fachwissen erweitern. Das steigert die Zufriedenheit der Arbeitnehmer und bringt im Umkehrschluss auch großen Nutzen für das Unternehmen, denn zufriedene Mitarbeiter sind produktiver. Regelmäßige Fortbildungen ermöglichen es Fachkräften, ihr eigenes Potenzial zu entfalten und ihre Stärken weiter auszuprägen – das so ausgelöste Wohlbefinden stärkt die Mitarbeiterloyalität erheblich. Mit lernwilligem, motiviertem Personal ist es durchaus möglich, die Folgen des Fachkräftemangels abzumildern.

Maßnahmen im Rahmen der Förderung persönlicher Entwicklungsmöglichkeiten sind: 

  • Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten
  • berufsbegleitendes Studium
  • interne Mentoring-Programme
  • transparente Aufstiegsmöglichkeiten
  • Kompetenz-Center
  • Zusatzqualifikationen

#4. Säule: Employer Branding zur Personalbindung

Employer Branding ist ein wirksames Tool, um Ihr Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber zu etablieren: Die Maßnahmen steigern die Loyalität der Mitarbeiter und fungieren – neben einer gelungenen Karriereseite – als Recruiting-Tool, das, ist es einmal richtig eingesetzt, nachhaltig positive Effekte verspricht. Schließlich sind zufriedene Mitarbeiter die beste Werbung für ein Unternehmen. So werden Young Professionals und hoch qualifizierte Talente angelockt. 

Damit Ihr Unternehmen ein hervorragendes Arbeitgeber-Image etablieren kann, sollten Sie folgende Instrumente einsetzen: 

  • Bewertungsportale nutzen (z.B. Kununu)
  • Karriere-Events
  • Programme wie ‚Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter‘
  • Firmeneigene Social Media 
  • Karriereseite auf der Website
  • Willkommenspakete für neue Mitarbeiter

#5. Säule: Unternehmenskultur und -kommunikation

Eine positive Unternehmenskultur darf nichts versprechen, was sie nicht halten kann und muss sich selbstverständlich bestätigen, wenn neue Kollegen im Unternehmen anfangen. Daher sollte eine ehrliche und offene Kommunikation bereits im Bewerbungsprozess geboten sein. Sie bildet die Basis für eine enge Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ist enorm wichtig für den Erfolg des Unternehmens: Fühlen sich Arbeitnehmer fair behandelt und in bestimmte Entscheidungen mit eingebunden, steigt ihre Zufriedenheit und damit ihre Produktivität. 

Geeignete Instrumente für die Steigerung der Mitarbeiterloyalität innerhalb der Unternehmenskultur sind: 

  • klar definierte Unternehmenswerte und Führungsgrundsätze
  • transparente Workflows
  • mitarbeiterzentrierte Erfolgskultur
  • Teamevents
  • kontinuierlicher Verbesserungsprozess
  • Tag der offenen Tür
  • Mitarbeiterzeitung/-newsletter

#6. Säule: Vorteile und Benefits

Die letzte Säule der Personalbindung visualisiert sämtliche Vorteile und Vergünstigungen, die Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen genießen. Sie sind ein entscheidender Faktor, um sich von anderen Arbeitgebern abzuheben. Hierbei steht vor allem ein Mehrwert über das monatliche Gehalt hinaus im Fokus.

Entsprechende zusätzliche materielle Maßnahmen können sein: 

  • Fahrtkostenzuschüsse
  • Firmenwagen
  • Laptop und Firmenhandy zur privaten Nutzung
  • Personalrabatte für eigene Produkte oder Dienstleistungen
  • Erholungsbeihilfen, z.B. ein vergünstigter Aufenthalt in einem Hotel, das mit dem Arbeitgeber kooperiert
  • Sachwertbezüge, z. B. Gutscheine
  • Essenszuschüsse

Mitarbeiterbindung: Welche Maßnahmen passen zu welchem Unternehmen?

Nachdem wir Ihnen alle Instrumente zur Personalbindung vorgestellt haben, gilt es im nächsten Schritt herauszufinden, welche Maßnahmen am besten zu Ihrem Unternehmen und Ihren Mitarbeitern passen. Fakt ist: Nicht jedes Instrument eignet sich für jede Firma. Außerdem ist es finanziell und strukturell selten möglich, direkt alle sechs Säulen der Mitarbeiterbindung umzusetzen. Beispielsweise können kleine Unternehmen keine finanziellen Benefits anbieten, für andere Firmen sind dagegen Gleitzeitmodelle nicht realisierbar. Es gibt aber eine gute Nachricht: Einige Maßnahmen lassen sich durch andere ausgleichen. 

Betriebsklima vs. Gehalt

Ein gutes Betriebsklima ist für 56 Prozent der Arbeitnehmer ausschlaggebend, um sich mit dem Unternehmen zu identifizieren, sich dort wohlzufühlen – ergo ihrem Arbeitgeber treu zu bleiben. Direkt im Anschluss folgen flexible Arbeitszeiten, die laut Statista-Umfrage 44 Prozent der Befragten angeben. Erst dann kommt für 36 Prozent eine marktgerechte Entlohnung. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Sorgen Sie in erster Linie für ein angenehmes Betriebsklima, in dem sich Ihre Mitarbeiter wohlfühlen. Das kann ein nicht ganz an den Markt angepasstes Gehalt oftmals ausgleichen. Besonders für Start-ups, die wenig Spielraum in puncto Gehälter haben, sollte eine gute Atmosphäre im Betrieb ganz oben auf der To-Do-Liste stehen. 

Allerdings bedeutet ein angemessenes Gehalt für Arbeitnehmer eine wichtige Wertschätzung. Ein gutes Betriebsklima darf daher nie Ausgleich für unterdurchschnittlich schlechtes Gehalt sein. Schließlich gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen nicht ganz marktfähigen Gehältern und wirklich schlechter Bezahlung. An dieser Stelle lohnt sich eine Kosten/Nutzen-Rechnung: Wird ein Mitarbeiter schlecht bezahlt und fühlt sich somit nicht wertgeschätzt, ist das Risiko hoch, dass er früher oder später das Unternehmen verlässt – auch wenn er sich im Betriebsklima wohlfühlt. Im Umkehrschluss muss der Arbeitgeber die frei gewordene Stelle neu besetzen. Das kostet oftmals deutlich mehr als eine Gehaltserhöhung. 

Weiterbildungsmöglichkeiten vs. flexible Arbeitszeiten 

Möglichkeiten zur Weiterbildung sind nicht nur förderlich für die Personalbindung, sondern auch gewinnbringend für das Unternehmen, denn: Mitarbeiter erlernen mit jeder Fortbildung neue Skills und vermehren ihr spezifisches Fachwissen. Dadurch sind sie in der Lage, neue Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen, was wiederum zu einer Steigerung der Zufriedenheit führt. Finanzieren Sie eine Weiterbildung, investieren Sie gleichzeitig in Ihre Mitarbeiter. So fühlen sich Ihre Arbeitnehmer wertgeschätzt und können ihre Fähigkeiten ausbauen. Infolge dessen steigt auch ihre Produktivität. Ist es finanziell nicht möglich, regelmäßige Fortbildungen anzubieten, können flexible Arbeitszeiten ein geeignetes Instrument zum Ausgleich sein. 

Die Work-Life-Balance wird für Erwerbstätige zunehmend bedeutender und ist ein ausschlaggebender Faktor, der für oder gegen einen Job spricht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Gleitzeitmöglichkeiten ist beispielsweise laut einer Studie von Ernst & Young einer der größten Motivatoren für Frauen, ihrem Arbeitgeber loyal gegenüber zu stehen (51 Prozent). Rund 41 Prozent der Männer sind flexible Arbeitszeitmodelle sehr wichtig, um im Beruf zufrieden sein zu können. Teilzeit, Gleitzeit und ähnliche Konzepte sorgen somit für Vertrauen und stärken die Bindung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Personalbindung: Steigende Bedeutung in Krisenzeiten

All die Vorteile und Maßnahmen der Mitarbeiterbindung sind vor allem seit der Corona-Pandemie in den Vordergrund getreten. Das Bedürfnis vieler Angestellter nach Beständigkeit und Sicherheit durch ihren Arbeitgeber wurde immer größer. Die Folgen der Pandemie waren in den vergangenen zwei Jahren auch in der IT-Branche zu spüren. Viele Firmen verzeichneten laut Bitkom-ifo-Digitalindex Anfang 2020 zum ersten Mal deutliche Umsatzeinbußen und Verluste, was wiederum die Auftragslage beeinträchtigte. Trotz des Fachkräftemangels bangten daher auch ITler um ihre Jobs. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit trieb viele Arbeitnehmer dazu, sich nach anderen, vermeintlich sicheren Arbeitgebern umzusehen. 

Unternehmen stellen sich daher die Frage: Wie kann ich die Arbeitnehmerschaft in Zukunft motiviert halten, ihnen Vertrauen vermitteln und ihre Arbeitskraft angemessen wertschätzen? An dieser Stelle kommen die Maßnahmen zur Personalbindung zum Einsatz: Sie sind in Krisenzeiten besonders wichtig, denn ein Unternehmen funktioniert nur dank seiner Mitarbeiter. Um diese zu halten und an sich zu binden, müssen sich Unternehmen um ihre Belegschaft bemühen. 

„Die meisten Mitarbeiter kündigen keinem Unternehmen, sondern ihren Führungskräften“

Helmut Schmidts Aussage „In der Krise zeigt sich der Charakter“ kann auf die Bedeutung der Personalbindung in Krisenzeiten projiziert werden: Wenn sich Führungskräfte nicht um ihre Mitarbeiter bemühen, suchen sich diese früher oder später einen anderen Arbeitgeber. „Die meisten Mitarbeiter kündigen keinem Unternehmen, sondern ihren Führungskräften“, so Inga Höltmann, Gründerin der Accelerate Academy in Berlin. Angestellte verlassen oftmals aufgrund von Fehlverhalten oder schlechtem Führungsstil ihrer Vorgesetzten das Unternehmen. 

Es ist Aufgabe der Führungskräfte, ihren Mitarbeitern Vertrauen zu vermitteln, sie fair zu behandeln, zu fördern und zu fordern sowie auf ihre Wünsche einzugehen. Laut Forsa-Studie im Auftrag von Xing E-Recruiting aus dem Jahr 2021 geben 38 Prozent der Befragten als Kündigungsgrund an, unzufrieden mit der Geschäftsführung zu sein. 30 Prozent kündigen wegen ihrer direkten Führungskraft. Tragen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter nicht angemessen durch Krisenzeiten, verlieren sie ihr Vertrauen und folglich auch ihre Arbeitskraft. Besonders überraschend ist, dass jeder vierte Arbeitnehmer kündigt ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben. Damit steigt die Bedeutung der Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung deutlich.

8 häufigste Kündigungsgründe | TechMinds

Frauen leiden unter der Gender Gap 

Häufig sind es Frauen, die über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken. So sind unter den Befragten der Forsa-Studie von Xing E-Recruiting rund 38 Prozent der Frauen bereit, ihren Job zu wechseln. Bei den Männern sind es 33 Prozent. Diese Differenz kann ein Indiz dafür sein, dass Frauen es nach wie vor schwerer haben, Führungspositionen und Beförderungen zu erhalten. Jan-Rainer Hinz, Personalleiter und Arbeitsdirektor von Ernst & Young in Deutschland, sieht das ganz klar als Grund für vermehrte Kündigungen von weiblichen Arbeitskräften: „Patriarchalische Verhältnisse in so manchem Unternehmen, schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf – Frauen stoßen oft auf ganz andere Hindernisse in Betrieben als Männer. Unternehmen müssen Diversität ernst nehmen und durch das Management vorleben – sonst brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn weibliche Fachkräfte lieber weiterziehen.“ Erschwerend kommt die Gender Pay Gap hinzu, das teilweise immer noch Realität ist.

Die Bereitschaft, den Job zu wechseln, bedeutet natürlich nicht, dass diese Arbeitnehmer auch alle tatsächlich ihren Job kündigen. Dennoch ist dieser Aspekt alarmierend für Arbeitgeber: Setzen Sie auf Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung, um die Fluktuationsrate gering und die Produktivität der Mitarbeiter hoch zu halten. 

Personalbindung: Fazit 

Personalbindung ist für Unternehmen unverzichtbar. Das belegen zahlreiche Studien: 4 von 10 Erwerbstätigen spielen mit dem Gedanken, sich bei einem anderen Arbeitgeber zu bewerben. Das ist das Ergebnis der Forsa-Studie von Xing E-Recruiting. Insgesamt denken 37 Prozent der Befragten über einen Jobwechsel nach, das sind 12 Prozent mehr als im Vorjahr. 

Besonders in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren ist die Wechselbereitschaft hoch. So wäre jeder Zweite bereit, bei einem anderen Unternehmen tätig zu werden. Millennials sind damit die Generation, die nur noch selten über einen langen Zeitraum bei einem Arbeitgeber bleibt. Um diese an sich zu binden, müssen Unternehmen auf hochgradig digitale Arbeitsprozesse, eine sinnstiftende Tätigkeit und flexible Arbeitszeiten für eine angemessene Work-Life-Balance setzen. Entscheidend ist außerdem ein gutes Verhältnis zwischen Führungskräften und Mitarbeitern sowie eine marktgerechte Entlohnung. Etabliert ein Unternehmen ein gutes Retention Management, stehen die Chancen gut, qualifiziertes Personal langfristig zu halten. 

Florenz Klasen | TechMinds Personalberatung Team

AUTOR DES BEITRAGS

Florenz Klasen

Der gebürtige Hamburger, Florenz Klasen, studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Hamburg und Birmingham. Zunächst arbeitete Herr Klasen im Projektmanagement des internationalen Tech-Konzerns NXP und als IT-Unternehmer in einem App-Startup, wo er Teams zum Erfolg führte.

Die TechMinds Personalvermittlung ist aus dieser Leidenschaft entstanden: Großartige Teams für zukunftsweisende Tech & IT Projekte zusammenzuführen. Herr Klasen wird Ihr zentraler Ansprechpartner & Headhunter rund um Ihre Personalsuche sein.

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