Personalbindung: Die erfolgreichsten Maßnahmen

Von |Aktualisiert am 29.09.2026|17 Min. Lesezeit|

Mitarbeiterbindung stärkt Fachkräftebindung.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Wechseldruck: 73 % der IT-Kräfte wollten laut BCG binnen zwei bis drei Jahren den Job wechseln.
  • Bindungsfaktoren: 56 % nennen ein gutes Betriebsklima, 50 % flexible Arbeitszeiten, 44 % marktgerechte Entlohnung.
  • Alarmzeichen: Burn-out-Fälle stiegen bei der AOK von 600 (2004) auf knapp 6.000 (2019).

Menschen sind Wunder. Keine Ressource, stellt der Wirtschaftsphilosoph Frederic Laloux fest und beschreibt damit präzise die sich verändernde Situation von Arbeitnehmern auf dem Arbeitsmarkt. War das Verhältnis zwischen Kandidaten und zu besetzenden Stellen vor Jahren noch ausgewogen, herrscht mittlerweile ein großes Ungleichgewicht, mit gravierenden Folgen: Vor allem die IT-Branche ist von einem starken Fachkräftemangel betroffen. Qualifiziertes und motiviertes Personal zu finden, gestaltet sich zunehmend schwieriger.

Laloux’ Zitat ist ein Appell an Führungskräfte, diesen Wandel zu verinnerlichen und mehr Wert auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu legen, wollen sie diese im Unternehmen halten. Es lohnt sich, in eine erfolgreiche Personalbindung zu investieren.

In den Führungsebenen einiger Unternehmen hat sich bereits ein Umdenken etabliert, das darauf abzielt, qualifizierte Professionals langfristig an den Betrieb zu binden: Arbeitnehmer sind nicht nur notwendige Ressource, um die Unternehmensziele zu erreichen, sondern Persönlichkeiten mit bestimmten Fähigkeiten und Talenten sowie Wünschen und Ansprüchen. Entspricht ein Unternehmen diesen Anforderungen nicht, schauen sich viele Arbeitskräfte nach einem anderen Arbeitgeber mit passenderen Werten und Benefits um.

Wie hoch die Wechselbereitschaft ist, zeigte schon eine internationale Umfrage der Boston Consulting Group (BCG): 73 % der IT-Kräfte wollten demnach in den nächsten zwei bis drei Jahren ihren Job wechseln. Aktuelle Zahlen bestätigen den Trend, laut Stepstone denkt fast jeder Zweite in Deutschland mindestens einmal im Monat über einen Jobwechsel nach. Es ist also höchste Zeit, dieser Wechselbereitschaft mit entsprechenden Maßnahmen entgegenzuwirken.

Welche Mittel sich als erfolgreich erwiesen haben, um Fachkräfte zu halten, wie die sechs Säulen der Personalbindung aussehen und wieso Unternehmen heute nicht auf diese Instrumente verzichten sollten, lesen Sie in diesem Artikel.

Was bedeutet Mitarbeiterbindung?

Der Begriff ‚Mitarbeiterbindung‘ steht im Rahmen der Personalpolitik für Maßnahmen, die darauf abzielen, Beschäftigte auf lange Sicht an ein Unternehmen zu binden. Im HR-Bereich werden alle Instrumente zur Personalbindung auch als ‚Retention Management‘ bezeichnet.

Oberstes Ziel ist es, dass wertvolle, gut ausgebildete Professionals dem Betrieb loyal gegenüberstehen, möglichst lange Teil des Teams bleiben und so wichtiges Know-how im Unternehmen bleibt. Ein gutes Retention-Programm sorgt einerseits für zufriedene Mitarbeiter und verhindert andererseits eine hohe Fluktuation. Grundvoraussetzung hierfür sind geeignete Maßnahmen, die das Personal an den Betrieb binden. Zum Einsatz kommen nicht nur geldwerte Vorteile, sondern auch Motivationsfaktoren wie Freizeit- und Arbeitszeitmodelle oder spezielle Förderprogramme.

Von der Corona-Pandemie bis heute: Relevanz der Personalbindung nimmt zu

Mittel zur Personalbindung sind während der Corona-Pandemie stark in den Vordergrund getreten, und die damals gewachsene Bedeutung hat sich seitdem verfestigt. Mit COVID-19 begann eine Phase, die den Arbeitsmarkt nachhaltig verändert und die Relevanz der Personalbindung dauerhaft gesteigert hat: Selten war es wichtiger, für ein gutes Team- und Zusammengehörigkeitsgefühl von Mitarbeitern und Unternehmen zu sorgen. Laut einer Studie von Statista wünschen sich 56 % der Arbeitnehmer und Führungskräfte ein angenehmes Betriebsklima und sehen dies auch als geeignetes Instrument zur Mitarbeiterbindung.

Um als Unternehmen attraktiv für neues und bestehendes Personal zu sein, sind für 50 % der Befragten flexible Arbeitszeiten und eine marktgerechte Entlohnung (44 %) ausschlaggebend. Übrigens setzt die Personalbindung nicht erst bei bereits im Unternehmen tätigen Fachkräften an, sondern beginnt schon im Bewerbungsprozess. Der Grund hierfür ist evident: Mit attraktiven Mitarbeiter-Benefits steigt für Unternehmen die Chance auf Bewerbungen von High Potentials. Wenn sich diese von Anfang an wohlfühlen und mit den Werten des Arbeitgebers identifizieren können, bleiben sie dem Unternehmen lange treu.

Personalbindung: Vorteile

Egal ob neue Professionals oder langjährige Mitarbeiter: Personalbindung lohnt sich für jedes Unternehmen, unabhängig von dessen Größe. Ein großer Vorteil liegt für Betriebe dabei in der Einsparung von unnötigen Kosten: Gut eingearbeitete Arbeitnehmer mit langer Betriebszugehörigkeit und Know-how sind goldwert, da sie ihren Job gewinnbringend ausführen.

Verlässt eine Arbeitskraft nach Jahren das Unternehmen, hinterlässt sie ein großes Loch: einerseits in ihrem früheren Tätigkeitsbereich, aber auch in der Kasse des ehemaligen Arbeitgebers. Schließlich war sie in die betrieblichen Strukturen und Arbeitsprozesse integriert und hat ihre Aufgaben eigenverantwortlich ausgeführt. Auf den Verlust eines High Potentials folgt daher ein meist langwieriger und kostenintensiver Recruiting-Prozess, bis ein geeigneter Nachfolger gefunden ist. Auch Onboarding und Einarbeitung des neuen Mitarbeiters sind zeitaufwendig und kommen Unternehmen oft teuer zu stehen.

Ein weiterer Vorteil aktiver Personalbindung ist zudem, dass sich die Maßnahmen positiv auf das Employer Branding auswirken: Die Anzahl an Bewerbungen steigt, die Chancen auf qualifiziertes Personal damit ebenfalls.

Fünf Vorteile der Mitarbeiterbindung als aufsteigende Treppe, von weniger Fluktuation bis stabiler Leistung.

Daraus ergeben sich weitere Vorteile: Erfolgreiche Mitarbeiterbindung erhöht die Zufriedenheit bestehender Arbeitskräfte, die Ihr Unternehmen weiterempfehlen. Zufriedenheit im Team steigert die Produktivität und Eigeninitiative aller Mitarbeiter und hält die krankheitsbedingten Fehlzeiten gering. Außerdem haben erfüllte Arbeitnehmer keine Gründe für einen Jobwechsel und sind länger bei ihrem Arbeitgeber tätig. Somit reduziert eine erfolgreiche Mitarbeiterbindung die Fluktuationsrate enorm.

Mitarbeiterbindung: Die sechs Säulen der Personalbindung

Nur wenige Unternehmen investieren bisher in nachhaltige Mitarbeiterbindung: Der Anteil der Arbeitnehmer, die sich nicht mehr mit ihrem Arbeitgeber identifizieren können, bleibt daher hoch. Bereits im Gallup Engagement Index 2021 gaben lediglich 61 % der Professionals an, im Folgejahr noch bei ihrem aktuellen Arbeitgeber tätig sein zu wollen, 2019 waren es 73 %.

Der aktuelle Gallup Engagement Index Deutschland 2025 zeichnet ein ähnlich ernüchterndes Bild: Nur 10 % der Beschäftigten fühlen sich ihrem Arbeitgeber stark verbunden, 77 % machen Dienst nach Vorschrift. Diese geringe Bindung resultiert in schwacher Motivation und somit sinkender Produktivität unter der Belegschaft.

Um dieses Szenario in Ihrem Unternehmen zu vermeiden, sollten Sie sich an die sechs Säulen der Personalbindung halten. Diese orientieren sich an den vier Ebenen der Mitarbeiterbindung: der perspektivischen, der normativen, der rationalen und der emotionalen Bindung und den damit verbundenen Maßnahmen (siehe Grafik). Im Gegensatz zum Ebenenmodell, das die einzelnen Bindungsarten voneinander trennt, ist das Säulenmodell integrativ ausgerichtet: Jede Säule enthält jeweils Aspekte aller vier Ebenen, also normative, emotionale, perspektivische und rationale Ansätze der Mitarbeiterbindung.

Für die Definition geeigneter Maßnahmen zur Personalbindung in Ihrem Unternehmen lohnt sich der Blick auf das Profil der Fachkräfte von heute und morgen: Die Generation Z (Jahrgänge 1997 bis 2012) ist auf dem Arbeitsmarkt angekommen, während die zwischen 1980 und 1996 geborene ‚Generation Y‘ zunehmend in Fach- und Führungsverantwortung steht. Beide Generationen sind als ‚Digital Natives‘ mit dem Internet aufgewachsen.

Vier Ebenen der Mitarbeiterbindung um den Kern: perspektivisch, normativ, emotional und rational.

Deshalb wünschen sich High Potentials von ihrem (zukünftigen) Arbeitgeber einen hohen Grad an Digitalisierung. Wichtig sind ihnen zudem die Sinnhaftigkeit ihrer Tätigkeit, Nachhaltigkeit und eine angemessene Work-Life-Balance. Sie sind im Job stets auf der Suche nach einem Mehrwert. Um gut ausgebildete Fachkräfte dieser Generationen halten zu können, müssen Sie möglicherweise Ihre Werte und Arbeitsstrukturen neu denken und entsprechend anpassen.

1. Säule: Arbeitsorganisation und Arbeitsumfeld

Mitarbeiter verbringen in der Regel die meiste Zeit ihrer Woche auf der Arbeit. Daher ist es für die Personalbindung wichtig, dass sich Arbeitnehmer an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen und in ihren Aufgaben einen Sinn sehen, sich auf eine gewisse Weise gebraucht fühlen.

Mit diesen neun Maßnahmen schaffen Sie Ihren Mitarbeitern ein angenehmes Umfeld:

  • sinnstiftende Aufgaben
  • Homeoffice bzw. remote von verschiedenen Orten arbeiten (Stichwort ‚Workation‘)
  • attraktives Gehalt, Urlaubs- und Weihnachtsgeld
  • flexible Arbeitszeitmodelle (z.B. Voll- und Teilzeit oder Gleitzeitmodelle)
  • Sabbaticals
  • Parkmöglichkeiten
  • Betriebsfeiern
  • kostenlose Getränke und Snacks
  • ansprechend gestaltete Sozial-/Pausenräume

2. Säule: Gesundheit, Freizeit und Sport

Leistungsfähigkeit im Job erfordert körperliche und geistige Fitness. Vor allem bei engagierten Professionals kommen Work-Life-Balance und sportliche Betätigung oft zu kurz. Dabei ist ein Ausgleich sehr wichtig. Gibt es diesen nicht und verbringen die Arbeitnehmer mehr Zeit auf der Arbeit als zu Hause, führt das früher oder später zu psychischen Erkrankungen, die nicht selten physische Symptome mit sich bringen.

Die Zahl der an Burn-out erkrankten Menschen ist in Deutschland über die Jahre deutlich gestiegen: Laut Statista wurden 2019 knapp 6.000 Arbeitsunfähigkeitsfälle bei der Krankenkasse AOK gemeldet. 2010 waren es 4.000 und 2004 gerade einmal 600. Doch nicht ein hohes Arbeitspensum allein führt zum Burn-out: Vielmehr resultiere eine dauerhafte Nichtbeachtung der eigenen Bedürfnisse in dem Gefühl, völlig ausgebrannt zu sein, so Unternehmensberaterin und Business-Coach Tanja Reiter.

Als Arbeitgeber können Sie selbstverständlich nicht die persönlichen Bedürfnisse jedes Mitarbeiters kennen, aber Sie haben die Möglichkeit, mit entsprechenden Maßnahmen einen Anreiz zu schaffen, damit Arbeitnehmer sich mehr mit ihren eigenen Bedürfnissen auseinandersetzen.

Fördern und unterstützen Sie als Arbeitgeber die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter, fühlen sich die Arbeitnehmer zusätzlich wertgeschätzt und umsorgt. Dadurch sichern Sie sich engagierte und leistungsfähige Professionals, die Ihr Unternehmen voranbringen.

Entsprechende Instrumente, um die Personalbindung auf der physischen Ebene zu unterstützen, sind:

  • betriebliche Altersvorsorge
  • betriebliches Gesundheitsmanagement
  • betriebliche Krankenversicherung
  • Zuschüsse zur Vermögensbildung
  • Gesundheitstage
  • Sportkurs-Angebot
  • kostenloses Gesundheits-Check-up

3. Säule: Karrieremöglichkeiten der Arbeitnehmer

Weltweit erwarten Professionals zwischen 18 und 49 Jahren von ihrem Arbeitgeber, dass er in ihre Weiterbildung investiert. In Deutschland sind das 69 % der 18- bis 29-Jährigen und 61 % der 30- bis 49-Jährigen, das ergab eine Studie von Udacity und Ipsos aus dem Jahr 2021. Ein wichtiges Instrument in der Mitarbeiterbindung ist somit das Angebot von Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten in Ihrem Betrieb.

Immer mehr IT-Unternehmen bekommen zudem die Auswirkungen des Fachkräftemangels zu spüren und suchen händeringend nach geeignetem Personal. Einige Firmen stellen mittlerweile auch Arbeitskräfte ein, die nicht alle fachlichen Anforderungen erfüllen, und qualifizieren sie intern weiter. Gerade das Thema KI-Kompetenz gewinnt dabei stark an Bedeutung: Wer seinen Mitarbeitern den souveränen Umgang mit neuen Werkzeugen vermittelt, bindet sie doppelt, durch die Investition in ihre Zukunft und durch die Sicherheit, den Wandel mitgestalten zu können.

Geeignete Instrumente dieser Säule sind:

  • Weiterbildungen, Schulungen und Zertifizierungen
  • individuelle Entwicklungspläne und Karrierepfade
  • Mentoring-Programme
  • interne Beförderungen vor externer Besetzung
  • Übernahme von Projektverantwortung

4. Säule: Employer Branding zur Personalbindung

Employer Branding ist ein wirksames Tool, um Ihr Unternehmen als attraktiven Arbeitgeber zu etablieren: Die Maßnahmen steigern die Loyalität der Mitarbeiter und fungieren, neben einer gelungenen Karriereseite, als Recruiting-Tool, das, ist es einmal richtig eingesetzt, nachhaltig positive Effekte verspricht. Schließlich sind zufriedene Mitarbeiter die beste Werbung für ein Unternehmen. So werden Young Professionals und hoch qualifizierte Talente angelockt.

Damit Ihr Unternehmen ein hervorragendes Arbeitgeber-Image etablieren kann, sollten Sie folgende Instrumente einsetzen:

  • Bewertungsportale nutzen (z.B. Kununu)
  • Karriere-Events
  • Programme wie ‚Mitarbeiter-werben-Mitarbeiter‘
  • Firmeneigene Social Media
  • Karriereseite auf der Website
  • Willkommenspakete für neue Mitarbeiter

5. Säule: Unternehmenskultur und -kommunikation

Eine positive Unternehmenskultur darf nichts versprechen, was sie nicht halten kann und muss sich selbstverständlich bestätigen, wenn neue Kollegen im Unternehmen anfangen. Daher sollte eine ehrliche und offene Kommunikation bereits im Bewerbungsprozess geboten sein. Sie bildet die Basis für eine enge Beziehung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und ist enorm wichtig für den Erfolg des Unternehmens: Fühlen sich Arbeitnehmer fair behandelt und in bestimmte Entscheidungen mit eingebunden, steigt ihre Zufriedenheit und damit ihre Produktivität.

Geeignete Instrumente für die Steigerung der Mitarbeiterloyalität innerhalb der Unternehmenskultur sind:

  • klar definierte Unternehmenswerte und Führungsgrundsätze
  • transparente Workflows
  • mitarbeiterzentrierte Erfolgskultur
  • Teamevents
  • kontinuierlicher Verbesserungsprozess
  • Tag der offenen Tür
  • Mitarbeiterzeitung/-newsletter

6. Säule: Vorteile und Benefits

Die letzte Säule der Personalbindung visualisiert sämtliche Vorteile und Vergünstigungen, die Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen genießen. Sie sind ein entscheidender Faktor, um sich von anderen Arbeitgebern abzuheben. Hierbei steht vor allem ein Mehrwert über das monatliche Gehalt hinaus im Fokus.

Entsprechende zusätzliche materielle Maßnahmen können sein:

  • Fahrtkostenzuschüsse
  • Firmenwagen
  • Laptop und Firmenhandy zur privaten Nutzung
  • Personalrabatte für eigene Produkte oder Dienstleistungen
  • Erholungsbeihilfen, z.B. ein vergünstigter Aufenthalt in einem Hotel, das mit dem Arbeitgeber kooperiert
  • Sachwertbezüge, z.B. Gutscheine
  • Essenszuschüsse

Mitarbeiterbindung: Welche Maßnahmen passen zu welchem Unternehmen?

Nachdem wir Ihnen alle Instrumente zur Personalbindung vorgestellt haben, gilt es im nächsten Schritt herauszufinden, welche Maßnahmen am besten zu Ihrem Unternehmen und Ihren Mitarbeitern passen. Fakt ist: Nicht jedes Instrument eignet sich für jede Firma. Außerdem ist es finanziell und strukturell selten möglich, direkt alle sechs Säulen der Mitarbeiterbindung umzusetzen. Beispielsweise können kleine Unternehmen keine finanziellen Benefits anbieten, für andere Firmen sind dagegen Gleitzeitmodelle nicht realisierbar. Es gibt aber eine gute Nachricht: Einige Maßnahmen lassen sich durch andere ausgleichen.

Betriebsklima vs. Gehalt

Ein gutes Betriebsklima ist für 56 % der Arbeitnehmer ausschlaggebend, um sich mit dem Unternehmen zu identifizieren, sich dort wohlzufühlen, ergo ihrem Arbeitgeber treu zu bleiben. Direkt im Anschluss folgen flexible Arbeitszeiten, die laut Statista-Umfrage 44 % der Befragten angeben. Erst dann kommt für 36 % eine marktgerechte Entlohnung. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Sorgen Sie in erster Linie für ein angenehmes Betriebsklima, in dem sich Ihre Mitarbeiter wohlfühlen. Das kann ein nicht ganz an den Markt angepasstes Gehalt oftmals ausgleichen. Besonders für Startups, die wenig Spielraum in puncto Gehälter haben, sollte eine gute Atmosphäre im Betrieb ganz oben auf der To-do-Liste stehen.

Allerdings bedeutet ein angemessenes Gehalt für Arbeitnehmer eine wichtige Wertschätzung. Ein gutes Betriebsklima darf daher nie Ausgleich für unterdurchschnittlich schlechtes Gehalt sein. Schließlich gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen nicht ganz marktfähigen Gehältern und wirklich schlechter Bezahlung. An dieser Stelle lohnt sich eine Kosten-Nutzen-Rechnung: Wird ein Mitarbeiter schlecht bezahlt und fühlt sich somit nicht wertgeschätzt, ist das Risiko hoch, dass er früher oder später das Unternehmen verlässt, auch wenn er sich im Betriebsklima wohlfühlt. Im Umkehrschluss muss der Arbeitgeber die frei gewordene Stelle neu besetzen. Das kostet oftmals deutlich mehr als eine Gehaltserhöhung.

Weiterbildungsmöglichkeiten vs. flexible Arbeitszeiten

Möglichkeiten zur Weiterbildung sind nicht nur förderlich für die Personalbindung, sondern auch gewinnbringend für das Unternehmen, denn: Mitarbeiter erlernen mit jeder Fortbildung neue Skills und vermehren ihr spezifisches Fachwissen. Dadurch sind sie in der Lage, neue Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen, was wiederum zu einer Steigerung der Zufriedenheit führt. Finanzieren Sie eine Weiterbildung, investieren Sie gleichzeitig in Ihre Mitarbeiter. So fühlen sich Ihre Arbeitnehmer wertgeschätzt und können ihre Fähigkeiten ausbauen. Infolgedessen steigt auch ihre Produktivität. Ist es finanziell nicht möglich, regelmäßige Fortbildungen anzubieten, können flexible Arbeitszeiten ein geeignetes Instrument zum Ausgleich sein.

Die Work-Life-Balance wird für Erwerbstätige zunehmend bedeutender und ist ein ausschlaggebender Faktor, der für oder gegen einen Job spricht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch Gleitzeitmöglichkeiten ist beispielsweise laut einer Studie von Ernst & Young einer der größten Motivatoren für Frauen, ihrem Arbeitgeber loyal gegenüberzustehen (51 %). Rund 41 % der Männer sind flexible Arbeitszeitmodelle sehr wichtig, um im Beruf zufrieden sein zu können. Teilzeit, Gleitzeit und ähnliche Konzepte sorgen somit für Vertrauen und stärken die Bindung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Aus der TechMinds-Praxis: Wir erleben Mitarbeiterbindung von der Seite, auf der sie endet. Im Wechselgespräch. Zwei Beobachtungen daraus sind für Ihre Bindungsarbeit wertvoller als jede Benchmark. Das Gehalt ist selten der alleinige Auslöser. In unseren Ansprachen wiegen der Zuschnitt der Rolle, Standort- und Präsenzfragen und die real gelebte Flexibilität schwerer. Und Arbeitgeber prüfen die Wechselmotivation im Auswahlprozess inzwischen aktiv, weil ungeklärte Motive später zum eigenen Bindungsproblem werden. Die teuerste Form der Bindung sehen wir aus nächster Nähe: das Gegenangebot in letzter Minute. Zu diesem Zeitpunkt ist die innere Entscheidung meist gefallen, und was dann folgt, ist ein Preisaufschlag auf Versäumtes. Stellen Sie die Fragen, die ein Headhunter Ihren Mitarbeitenden stellen würde, deshalb selbst und früher. Was müsste passieren, damit Sie sich in einem Jahr noch hier sehen? Welche Präsenzregel, welcher Rollenzuschnitt passt nicht mehr zu Ihrem Leben? Wer diese Antworten kennt, bevor eine Direktansprache sie einholt, bindet günstiger.

Personalbindung: Steigende Bedeutung in Krisenzeiten

All die Vorteile und Maßnahmen der Mitarbeiterbindung treten in Krisenzeiten besonders deutlich hervor. Das hat die Corona-Pandemie eindrücklich gezeigt: Das Bedürfnis vieler Angestellter nach Beständigkeit und Sicherheit durch ihren Arbeitgeber wurde damals immer größer. Die Folgen der Pandemie waren auch in der IT-Branche zu spüren. Viele Firmen verzeichneten laut Bitkom-ifo-Digitalindex Anfang 2020 zum ersten Mal deutliche Umsatzeinbußen und Verluste, was wiederum die Auftragslage beeinträchtigte. Trotz des Fachkräftemangels bangten daher auch ITler um ihre Jobs. Die Angst vor der Arbeitslosigkeit trieb viele Arbeitnehmer dazu, sich nach anderen, vermeintlich sicheren Arbeitgebern umzusehen.

An diesem Muster hat sich bis heute nichts geändert, nur die Auslöser wechseln: Konjunkturschwäche, Restrukturierungen oder die Unsicherheit rund um KI werfen dieselbe Frage auf. Unternehmen stellen sich daher weiterhin: Wie kann ich die Arbeitnehmerschaft in Zukunft motiviert halten, ihnen Vertrauen vermitteln und ihre Arbeitskraft angemessen wertschätzen? An dieser Stelle kommen die Maßnahmen zur Personalbindung zum Einsatz: Sie sind in Krisenzeiten besonders wichtig, denn ein Unternehmen funktioniert nur dank seiner Mitarbeiter. Um diese zu halten und an sich zu binden, müssen sich Unternehmen um ihre Belegschaft bemühen.

„Die meisten Mitarbeiter kündigen keinem Unternehmen, sondern ihren Führungskräften“

Helmut Schmidts Aussage „In der Krise zeigt sich der Charakter“ kann auf die Bedeutung der Personalbindung in Krisenzeiten projiziert werden: Wenn sich Führungskräfte nicht um ihre Mitarbeiter bemühen, suchen sich diese früher oder später einen anderen Arbeitgeber. „Die meisten Mitarbeiter kündigen keinem Unternehmen, sondern ihren Führungskräften“, so Inga Höltmann, Gründerin der Accelerate Academy in Berlin. Angestellte verlassen oftmals aufgrund von Fehlverhalten oder schlechtem Führungsstil ihrer Vorgesetzten das Unternehmen.

Es ist Aufgabe der Führungskräfte, ihren Mitarbeitern Vertrauen zu vermitteln, sie fair zu behandeln, zu fördern und zu fordern sowie auf ihre Wünsche einzugehen. Laut Forsa-Studie im Auftrag von Xing E-Recruiting aus dem Jahr 2021 geben 38 % der Befragten als Kündigungsgrund an, unzufrieden mit der Geschäftsführung zu sein. 30 % kündigen wegen ihrer direkten Führungskraft. Tragen Vorgesetzte ihre Mitarbeiter nicht angemessen durch Krisenzeiten, verlieren sie ihr Vertrauen und folglich auch ihre Arbeitskraft. Besonders überraschend ist, dass jeder vierte Arbeitnehmer kündigt, ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben. Damit steigt die Bedeutung der Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung deutlich.

Die acht häufigsten Kündigungsgründe als Eisberg: ausgesprochene Gründe über, tiefere Treiber unter der Wasserlinie.

Frauen leiden unter der Gender Gap

Häufig sind es Frauen, die über einen Arbeitgeberwechsel nachdenken. So sind unter den Befragten der Forsa-Studie von Xing E-Recruiting rund 38 % der Frauen bereit, ihren Job zu wechseln. Bei den Männern sind es 33 %. Diese Differenz kann ein Indiz dafür sein, dass Frauen es nach wie vor schwerer haben, Führungspositionen und Beförderungen zu erhalten. Jan-Rainer Hinz, Personalleiter und Arbeitsdirektor von Ernst & Young in Deutschland, sieht das ganz klar als Grund für vermehrte Kündigungen von weiblichen Arbeitskräften: „Patriarchalische Verhältnisse in so manchem Unternehmen, schlechte Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Frauen stoßen oft auf ganz andere Hindernisse in Betrieben als Männer. Unternehmen müssen Diversität ernst nehmen und durch das Management vorleben, sonst brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn weibliche Fachkräfte lieber weiterziehen.“ Erschwerend kommt die Gender Pay Gap hinzu, die teilweise immer noch Realität ist.

Die Bereitschaft, den Job zu wechseln, bedeutet natürlich nicht, dass diese Arbeitnehmer auch alle tatsächlich ihren Job kündigen. Dennoch ist dieser Aspekt alarmierend für Arbeitgeber: Setzen Sie auf Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung, um die Fluktuationsrate gering und die Produktivität der Mitarbeiter hoch zu halten.

Personalbindung: Fazit

Personalbindung ist für Unternehmen unverzichtbar. Das belegen zahlreiche Studien: Vier von zehn Erwerbstätigen spielen mit dem Gedanken, sich bei einem anderen Arbeitgeber zu bewerben. Das ist das Ergebnis der Forsa-Studie von Xing E-Recruiting. Insgesamt denken 37 % der Befragten über einen Jobwechsel nach, das waren 12 Prozentpunkte mehr als im Jahr zuvor. Und der Trend hält an, wie die aktuellen Gallup-Zahlen zur geringen emotionalen Bindung zeigen.

Besonders in der Altersgruppe von 30 bis 39 Jahren ist die Wechselbereitschaft hoch. So wäre jeder Zweite bereit, bei einem anderen Unternehmen tätig zu werden. Millennials sind damit eine Generation, die nur noch selten über einen langen Zeitraum bei einem Arbeitgeber bleibt. Um diese an sich zu binden, müssen Unternehmen auf hochgradig digitale Arbeitsprozesse, eine sinnstiftende Tätigkeit und flexible Arbeitszeiten für eine angemessene Work-Life-Balance setzen. Entscheidend ist außerdem gute Führung, denn gekündigt wird selten dem Unternehmen, meist den Vorgesetzten. Eine ausführliche Einordnung bietet der Beitrag zu Mitarbeitermotivation.

Häufige Fragen zur Personalbindung

Personalbindung, auch Mitarbeiterbindung oder Retention Management genannt, umfasst alle Maßnahmen, die Beschäftigte langfristig an ein Unternehmen binden. Ziel ist, qualifizierte Professionals und ihr Know-how zu halten, die Fluktuation zu senken und die Zufriedenheit der Belegschaft zu steigern.

Die Instrumente lassen sich in sechs Säulen ordnen: Arbeitsorganisation und Arbeitsumfeld (z.B. flexible Arbeitszeiten, Homeoffice), Gesundheit und Sport (z.B. betriebliches Gesundheitsmanagement), Karrieremöglichkeiten (z.B. Weiterbildungen, Entwicklungspfade), Employer Branding, Unternehmenskultur und Kommunikation sowie materielle Vorteile und Benefits (z.B. Fahrtkostenzuschüsse, Firmenhandy).

Analysieren Sie zunächst, warum Mitarbeitende bleiben oder gehen, etwa über Mitarbeiterbefragungen und Exit-Interviews. Wählen Sie dann aus den sechs Säulen die Maßnahmen, die zu Ihrer Unternehmensgröße, Ihrem Budget und den Bedürfnissen Ihrer Belegschaft passen. Wichtig ist, das Konzept regelmäßig zu überprüfen: Nicht jede Maßnahme wirkt in jedem Unternehmen gleich.

Weil die meisten Mitarbeitenden nicht dem Unternehmen kündigen, sondern ihren Führungskräften. Laut Forsa-Studie nennen 38 % der Befragten Unzufriedenheit mit der Geschäftsführung als Kündigungsgrund, 30 % die direkte Führungskraft. Vertrauen, faire Behandlung, Förderung und ehrliche Kommunikation durch Vorgesetzte sind daher die Basis jeder wirksamen Personalbindung.

Verlässt eine eingearbeitete Fachkraft das Unternehmen, entstehen Kosten für Recruiting, Onboarding und Einarbeitung des Nachfolgers, dazu kommen Produktivitätsverluste und verlorenes Know-how. Eine Gehaltserhöhung oder gezielte Bindungsmaßnahmen sind in der Regel deutlich günstiger als eine Neubesetzung.

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