Frauen in Führungspositionen in Tech und IT: Zahlen weltweit, Perspektiven und was im Suchprozess wirkt

Von |Aktualisiert am 19.10.2026|18 Min. Lesezeit|

Frauen in Führungspositionen: 30,3 % in Deutschland, 32,9 % weltweit, in Tech darunter.

Frauen in Führungspositionen

Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland 2025: 30,3 % der Führungskräfte sind Frauen, bei einem Erwerbsanteil von 47,1 %. EU-Durchschnitt 35,9 %.
  • Weltweit: 32,9 % Frauen im Senior Management des Mittelstands. G7-Spanne von 42,6 % in den USA bis 14,4 % in Japan, Deutschland mit 29,5 % auf Rang sechs, unter dem Weltwert von 30,5 %.
  • Tech: 18 % Frauen unter den IT-Fachkräften in Deutschland, 19,5 % der IKT-Spezialisten EU-weit, 27,5 % in US-Computerberufen, 28,2 % im globalen MINT. An der obersten MINT-Führungsebene nur jede achte Position.
  • Haltung: Auf die Shortlist gehört, wer das Kompetenzraster am stärksten trifft. Das Geschlecht entscheidet nicht. Entscheidend ist, dass die Suche den vollständigen Markt erfasst, statt sich durch alte Gewohnheiten auf die eine Hälfte zu beschränken.

Werkleitung, Bereichsleitung Software, CTO: Wer in einem Mittelständler so eine Rolle besetzen will, hält am Ende der Suche oft eine Shortlist in der Hand, auf der keine einzige Frau steht. Böser Wille ist das selten. Meist liegt es daran, wie die Suche zugeschnitten war. Zwölf Muss-Kriterien im Profil. Recherchiert wurde im eigenen Netzwerk. Drei Pflichttage am Standort gab das Briefing vor. Und die Erstansprache sagte wenig über die eigentliche Rolle aus.

Dieser Beitrag ordnet das Thema für Entscheider in Tech, IT und Engineering ein. Er bringt die aktuellen Zahlen aus Deutschland, der EU, den USA und vom Weltmarkt an einem Ort zusammen. Und er zeigt, an welchen Stellschrauben in einem Suchmandat tatsächlich etwas kippt. Um eine Quote geht es nicht. Die greift bei den meisten Firmen sowieso nicht. Erst recht geht es nicht darum, eine Kandidatin allein wegen ihres Geschlechts zu berufen. Qualifikation bleibt gesetzt. Was sich verschieben sollte, ist der Blick auf den Kandidatenmarkt. Viele Suchprozesse nehmen bisher nur eine Hälfte davon wahr.

Frauen in Führungspositionen: die Zahlen für Deutschland, die EU und die Welt

Erstmal: Was zählt die amtliche Statistik überhaupt zu den Führungspositionen? Vorstände und Geschäftsführer. Dazu Führungskräfte in Handel, Produktion und Dienstleistungen. International heißt das ISCO-Hauptgruppe 1. Auf dieser Basis waren in Deutschland 2025 30,3 % der Führungskräfte Frauen (Statistisches Bundesamt, Mikrozensus). Unter allen Erwerbstätigen stellten Frauen im selben Jahr 47,1 %. Umgerechnet: Sieben von zehn Führungskräften sind Männer. Die Belegschaft ist fast zur Hälfte weiblich.

Viel bewegt hat sich bei diesem Wert nicht. 2014 lag er bei 29,0 %. 2024 bei 29,1 %. Der EU-Durchschnitt dagegen legte im selben Zeitraum um 3,4 Prozentpunkte zu und erreichte 2025 die Marke von 35,9 %. Mit 44,4 % liegt Schweden an der Spitze. Deutschland im unteren Drittel der EU. Vergleichen sollte man das trotzdem mit Vorsicht. Schwedens Wirtschaft trägt einen großen öffentlichen Sektor und viel Dienstleistung, die industrielle Basis ist überschaubar. Deutschland lebt dagegen von Maschinenbau, Automobil, Chemie und Elektrotechnik, also Branchen mit traditionell schmalem Frauenanteil in Führung. Und Industrie verlangt naturgemäß einen höheren Präsenzanteil, weil es um physische Produkte geht. Zur Einordnung gehört auch, dass die amtliche Definition breit ist und die Geschäftsführung kleiner Unternehmen einschließt.

Mit jeder Ebene nach oben werden die Zahlen schmaler. Vorstände der 200 umsatzstärksten Unternehmen außerhalb des Finanzsektors: 18,6 % im Herbst 2025. Vorstandsvorsitze: 7,3 %. DAX: 25,3 % (DIW Managerinnen-Barometer 2026). Im Mittelstand meldet KfW Research für 2026 rund 16 % frauengeführte Unternehmen, über alle Hierarchiestufen hinweg etwa jede vierte Managementposition. Die Pipeline für sich betrachtet sieht nicht schlecht aus. Bei den 25- bis 34-jährigen Führungskräften liegt der Frauenanteil bei 36,6 %, bei den 55- bis 64-Jährigen fällt er auf 27,1 %. Nach oben trägt diese Entwicklung bisher kaum. Ein Grund dürfte sein, dass der nächste Karrieresprung oft genau in jene Jahre fällt, in denen Familienarbeit anfällt.

Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Werte nebeneinander. Von Deutschland über die EU bis in die USA und auf den Weltmarkt. Die internationale Einordnung folgt im nächsten Kapitel.

Kennzahl Wert Quelle
Frauenanteil an allen Führungskräften, Deutschland 2025 30,3 % Destatis 2026
Frauenanteil an allen Erwerbstätigen, Deutschland 2025 47,1 % Destatis 2026
Führungskräfte zwischen 25 und 34 Jahren, Frauenanteil, Deutschland 2025 36,6 % Destatis 2026
Frauenanteil an Führungskräften, EU 2025 35,9 % Eurostat, Destatis 2026
Frauenanteil an Führungskräften, Schweden 2024 44,4 % Eurostat, Destatis 2025
Senior Management im Mittelstand, weltweit 2026 32,9 % Grant Thornton 2026
Senior Management im Mittelstand, Eurozone 2026 34,9 % Grant Thornton 2026
Senior Management im Mittelstand, Südafrika 2026 47,3 % Grant Thornton 2026
C-Suite-Positionen in den USA, 2025 29 % McKinsey, LeanIn.Org 2025
CEO-Positionen der Fortune 500, Mitte 2025 11 % Fortune 2025
Vorstände der 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen, Herbst 2025 18,6 % DIW Berlin 2026
Vorstandsvorsitze der 200 umsatzstärksten deutschen Unternehmen, 2025 7,3 % DIW Berlin 2026
Frauengeführte kleine und mittlere Unternehmen, Deutschland 2025 16 % KfW Research 2026
IT-Fachkräfte in Deutschland, Frauenanteil 2025 18 % Bundesagentur für Arbeit, Bitkom 2026
IKT-Spezialisten in der EU, Frauenanteil 2025 19,5 % Eurostat 2026
Computer- und Mathematikberufe in den USA, Frauenanteil 2025 27,5 % Bureau of Labor Statistics 2026
MINT-Beschäftigte weltweit, Frauenanteil 28,2 % Weltwirtschaftsforum, LinkedIn 2024

Im Branchenvergleich schließen die technischen Felder das Ranking. Maschinenbau: 10,2 % weibliche Führungsrollen. Energieversorgung: 11,2 %. Baugewerbe: 10 % (CRIF 2025). Unternehmen mit mehr als 10.000 Beschäftigten: 17,2 %. Für eine Führungssuche in diesen Branchen heißt das konkret: Am Markt ist nur etwa jede achte bis zehnte Führungskraft eine Frau. Darauf muss die Suche eingestellt sein.

Weltweit und in den USA: Deutschland ist keine Insel

Ein deutsches Phänomen ist das nicht. Seit über zwanzig Jahren befragt Grant Thornton Mittelständler in rund 30 Volkswirtschaften. 2026 hielten Frauen dort 32,9 % der Senior-Management-Positionen, ein Jahr vorher waren es noch 34,0 %. Zum Start der Erhebung 2004: 19,4 %. Die Eurozone kommt heute auf 34,9 %, Deutschland bleibt amtlich bei 30,3 %. Deutlich niedriger ist der Anteil bei den Mittelstands-CEOs weltweit mit 23,8 %, im asiatisch-pazifischen Raum liegt er bei 21,2 %. In 5,7 % der Unternehmen sitzt überhaupt keine Frau im Senior Management. Rechnet man das aktuelle Tempo hoch, wäre Parität erst um 2051 erreicht. Eine Generation ab heute.

Die USA sind besser dokumentiert, nicht grundsätzlich weiter. McKinsey und LeanIn.Org verfolgen die Entwicklung seit elf Jahren in ihrer Studie Women in the Workplace. 2015 lag der Anteil in den C-Suite-Positionen bei 17 %. Heute sind es 29 %. 2025 war das erste Jahr, in dem sich der Wert gar nicht mehr bewegte. Der eigentliche Flaschenhals sitzt tiefer. Auf 100 Männer, die zum Manager befördert werden, kommen 93 Frauen. An der Spitze der 500 größten US-Unternehmen standen Mitte 2025 insgesamt 55 Frauen. Macht 11 %. Zum Vergleich: 1998 waren es zwei.

Dass es anders geht, zeigen einige Märkte. Schweden: 44,4 % Frauen in Führung (Eurostat). Südafrika: 47,3 % Senior Management. Malaysia: 41,9 %. Vietnam: 38,6 % (Grant Thornton 2026). Diese Werte sind beeindruckend, aber nur bedingt übertragbar. Keines dieser Länder trägt eine Industrie wie die deutsche. Südafrika ist stark von Bergbau, Handel und öffentlichen Diensten geprägt, Schweden von Dienstleistung und Public Sector, Malaysia und Vietnam von jüngerer, oft noch wachsender Industriestruktur. Die Zahlen entstehen also in anderen Wirtschaftsgefügen als in einem Land mit vielen industriellen Weltmarktführern. Für ein deutsches Tech-Unternehmen bedeutet das trotzdem: Eine internationale Suche trifft auf Pools, die mancherorts deutlich voller sind als in Deutschland. Ob dieser Markt praktisch erreichbar ist, hängt am Ende an zwei Fragen. An der Sprachanforderung. Und an der Präsenzregel.

G7 im Vergleich: eine Definition, sieben Länder

Wer Deutschland sauber einordnen will, braucht zwei Dinge. Volkswirtschaften ähnlicher Größe. Und eine Datenbasis, die wirklich vergleichbar ist. Beides liefert Indikator 5.5.2 der UN-Nachhaltigkeitsziele der Internationalen Arbeitsorganisation, also der Frauenanteil an allen Führungspositionen nach der internationalen Berufsklassifikation. In den G7 reicht die Spanne von 42,6 % in den USA über Großbritannien (40,9 %), Frankreich (39,5 %) und Kanada (35,6 %) bis zu Deutschland mit 29,5 %, Italien mit 27,9 % und Japan mit 14,4 %. Der Weltwert: 30,5 %. Deutschland landet in den G7 auf Rang sechs. Also unter dem globalen Mittel. Destatis kommt national für 2025 auf 30,3 %, praktisch derselbe Wert.

China fehlt in dieser Reihe. Vergleichbare Berufsdaten gibt das Land seit Langem nicht mehr heraus. Der letzte ILO-Wert stammt von 2005 und lag damals bei 16,8 %. Die naheliegende Annahme: Die amtliche Berichterstattung endet dort, wo das Ergebnis politisch unerwünscht wäre. Was von außen bleibt, ist ein uneinheitliches Bild. Frauen halten im Mittelstand 35,3 % der Senior-Management-Positionen (Grant Thornton 2025), in den Aufsichtsgremien börsennotierter Unternehmen rund 15 % (MSCI 2022), unter den Topmanagern der zentralen Staatsunternehmen zuletzt nur etwa 5 % (Peterson Institute 2020). Zur selben Zeit weist die Statistikbehörde 43 % Frauen unter allen Beschäftigten aus (Nationales Statistikamt 2023). Zusammen ergibt das ein klares Muster. Breite Erwerbsbeteiligung ist dokumentiert, Führung weniger.

Land Frauenanteil an Führungspositionen Jahr
USA 42,6 % 2025
Großbritannien 40,9 % 2024
Frankreich 39,5 % 2024
Kanada 35,6 % 2021
Welt 30,5 % 2025
Deutschland 29,5 % 2024
Italien 27,9 % 2024
Japan 14,4 % 2025
China keine vergleichbaren Daten (2005: 16,8 %) 2005
Australien 41,7 % 2024
Brasilien 39,4 % 2024
Südkorea 18,1 % 2025
Indien 11,7 % 2024

Quelle: ILO und UN-SDG-Datenbank, Indikator 5.5.2 (Frauenanteil an Führungspositionen, ISCO-Hauptgruppe 1), jeweils letztes verfügbares Jahr, Abruf Oktober 2026. Dargestellt sind die G7 als Kern, ergänzt um Australien, Brasilien, Südkorea und Indien als weitere große Volkswirtschaften der G20.

Regionen und weitere Länder

An der Spitze der Regionen steht Südamerika mit 37,0 %. Flankiert von neuen Vorgaben, dem chilenischen Gesetz zur Besetzung von Verwaltungsräten und den brasilianischen Regeln zur Entgeltgleichheit, beide aus 2025. Europa war 2026 die einzige Region ohne Rückgang und hält 35,0 %. Nordamerika: 34,4 %. Afrika: 31,9 %. Am unteren Ende: der asiatisch-pazifische Raum mit 31,8 %, bei großer Streuung innerhalb der Region. Die Philippinen und Thailand gehören zu den stärksten Märkten weltweit. Am anderen Ende Südkorea und Japan. Japan immerhin hat 2026 mit einem Sprung von 3,1 Prozentpunkten erstmals die 20-Prozent-Marke geknackt. China und Indien liegen über dem globalen Schnitt mit 35,3 % und 36,5 % (2025). Indien ist seit 2004 von 12 % auf mehr als ein Drittel gesprungen. Großbritannien steht bei 36,3 %. Die USA im Mittelstand nur noch bei 31 %. Vor zwei Jahren waren es 35 %.

Region oder Land Frauenanteil im Senior Management Jahr
Südamerika 37,0 % 2026
Europa 35,0 % 2026
Nordamerika 34,4 % 2026
Afrika 31,9 % 2026
Asien-Pazifik 31,8 % 2026
Malaysia 41,9 % 2026
Vietnam 38,6 % 2026
Indien 36,5 % 2025
Großbritannien 36,3 % 2025
China 35,3 % 2025
USA 31 % 2026
Japan über 20 % 2026 (2025: 18,4 %)

Quelle der Tabelle: Grant Thornton, Women in Business 2025 und 2026, Befragung mittelständischer Unternehmen in rund 30 Volkswirtschaften.

Frauen in IT-Führungspositionen: ein kleinerer Pool, kein schlechterer

In IT und Engineering ist der Ausgangspunkt enger als in anderen Funktionen. Unter den IT-Fachkräften in Deutschland liegt der Frauenanteil bei 18 % (Bundesagentur für Arbeit 2025). Vom Nachwuchs kommt kurzfristig wenig. Im klassischen Informatikstudium sind 17 % der Studierenden Frauen. In den IT-Ausbildungen 12 %. Höher wird es nur in anwendungsnahen Fächern wie Medizin- oder Bioinformatik mit rund 45 % (Bitkom 2026). In 92 % der befragten Unternehmen ist weniger als die Hälfte der IT- und Digitalstellen weiblich besetzt. Kein einziges meldet eine weibliche Mehrheit. EU-weit stellen Frauen 19,5 % der IKT-Spezialisten (Eurostat, 2014 waren es 16,2 %). Vorn liegen Estland, Rumänien und Bulgarien mit jeweils über 27 %. Deutschland etwa im EU-Durchschnitt. In den USA sind 27,5 % der Beschäftigten in Computer- und Mathematikberufen Frauen (Bureau of Labor Statistics 2025, im Vorjahr 26,4 %). Für die weltweiten MINT-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) nennt das Weltwirtschaftsforum auf LinkedIn-Basis einen Frauenanteil von 28,2 %. Zum Vergleich: 47 % in allen übrigen Berufen. An der obersten MINT-Führungsebene besetzt nur jede achte Position eine Frau. In den übrigen Berufen jede vierte.

Woran es aus ihrer Sicht hakt, haben die Unternehmen in derselben Befragung benannt. Ganz oben: Hürden beim Quereinstieg (55 %). Dann fehlende Betreuungsinfrastruktur (48 %). Und eine klischeebehaftete Berufsorientierung (40 %). 39 % räumen eine gläserne Decke im eigenen Haus ein. Die Verantwortung dafür sehen inzwischen 68 % bei den Unternehmen. Im Vorjahr waren es noch 56 %. Als wirksame Hebel gelten vor allem interne Qualifizierungsprogramme und sichtbare Rolemodels. Beides wirkt eher auf der Fachebene, nicht in der Führungsetage.

Was heißt das für eine Führungssuche? Der Pool an Frauen mit Führungserfahrung und Tech-Hintergrund ist kleiner als in HR, Finance oder Marketing. Fakt, nicht Haltung. Dazu kommt ein zweites Problem. Dieser Pool ist schlechter sichtbar. Viele Kandidatinnen arbeiten in Konzernen, in Beratungen oder in der zweiten Reihe. Eine Ansprache, die nur den Titel nennt, prallt dort ab. Mit der Qualität der Profile hat das nichts zu tun. Wer eine Werkleitung, einen Head of Engineering oder eine IT-Leitung besetzt, findet qualifizierte Kandidatinnen durchaus. Vorausgesetzt, die Suche reicht über das eigene Netzwerk hinaus. Der IT-Fachkräftemangel macht genau diesen Teil des Marktes eher wertvoller als kleiner.

Fachlichkeit vor Geschlecht: worum es wirklich geht

Vor den Methoden steht eine Klarstellung, sonst läuft die Debatte in die falsche Richtung. Eine Führungsrolle sollte die Person besetzen, die sie am besten ausfüllt. Das Geschlecht ist dafür kein Qualifikationsmerkmal, in keine Richtung. Wer eine Kandidatin allein deshalb beruft, weil sie eine Frau ist, hilft am Ende niemandem. Dem Unternehmen nicht. Dem Team nicht. Und ihr selbst am wenigsten. Jeder spätere Erfolg steht dann unter dem Verdacht einer Quotenentscheidung.

Lohnen tut sich der Aufwand an anderer Stelle. Nämlich bei der Perspektivenvielfalt. Besteht ein Führungsteam nur aus Personen mit derselben Ausbildung, derselben Branchenprägung, derselben Biografie, läuft jede Entscheidung durch denselben Filter. Treffen hingegen Ingenieurin und Kaufmann, Konzernerfahrung und Mittelstand, Linie und Beratung aufeinander, kommen echte Perspektiven zusammen. Das Geschlecht ist dabei eine Dimension unter mehreren. In Tech-Teams aber die am seltensten vertretene. Ob gemischte Führungsteams nachweislich bessere Ergebnisse liefern, lässt sich wissenschaftlich weniger klar belegen, als mancher Beratungsreport nahelegt. Belegen lässt sich aber eines: Breiter geprüfte Entscheidungen bringen bessere Ergebnisse als symbolische Besetzungen.

Daraus folgt eine Regel, die wir auch gegenüber unseren Mandanten vertreten. Zuerst den Markt vollständig abbilden. Dann entscheidet das Kompetenzraster. Eine Shortlist mit sechs Männern kann ein sauberes Ergebnis sein, nämlich dann, wenn es die sechs besten Profile am Markt waren. Sie ist kein sauberes Ergebnis, wenn die Suche Kandidatinnen gar nicht erreicht hat. Am Resultat sieht man den Unterschied nicht. Nur am Weg dorthin.

Wenn im Briefing steht ‚am liebsten eine Frau‘, drehen wir das Gespräch um. Wir fragen, was die Rolle fachlich braucht, und wir bilden den gesamten Markt ab. Steht am Ende eine Kandidatin auf der Shortlist, dann weil sie dorthin gehört. Nicht wegen des Geschlechts.

Florenz Klasen (Wirtsch.-Ing.), Partner & Senior HR Consultant bei TechMinds

Frauenquote und Entgelttransparenz: das Nötigste

Zur Rechtslage ist nicht viel zu sagen. Sie betrifft die meisten Unternehmen nicht. Eine Frauenquote gilt in Deutschland nur für Firmen, die gleichzeitig börsennotiert und paritätisch mitbestimmt sind. Konkret: seit 2016 mindestens 30 % im Aufsichtsrat, seit 2022 mindestens eine Frau und ein Mann in Vorständen mit mehr als drei Mitgliedern (FüPoG II). Wer börsennotiert oder mitbestimmt ist, legt zusätzlich Zielgrößen fest. Die EU-Richtlinie zu Leitungsorganen bleibt wegen der Aussetzungsklausel vorerst ohne praktische Folgen (Bundestagsdrucksache 21/3450). Und für den nicht mitbestimmten Mittelstand gilt nichts von alledem.

Mehr Aufmerksamkeit verdient die EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Sie verändert den Ablauf einer Besetzung spürbar. Künftig sollen Bewerber die Gehaltsspanne vor dem ersten Gespräch kennen. Die Frage nach dem bisherigen Gehalt fällt weg. Hintergrund: ein Gender Pay Gap, der 2025 bei 16 % lag. Bereinigt bei 6 % (Destatis). Die deutsche Umsetzung ist überfällig. Nach Planung des zuständigen Ministeriums soll sie Anfang 2027 in Kraft treten (Stand Oktober 2026). Wer die Spanne schon heute in das Briefing schreibt, ist im Vorteil. Die passende Orientierung liefert unsere Gehaltsstudie IT & Engineering aus mehr als 23.500 Kandidatengesprächen und über 5.300 Kundengesprächen.

Warum Shortlists für Tech-Führungsrollen männlich bleiben

Hinter solchen Shortlists steckt selten eine bewusste Entscheidung. Schuld ist meistens die Mechanik der Suche. Und zwar an vier Stellen, denen wir in Mandaten immer wieder begegnen.

  • Zu viele Muss-Kriterien. Zehn Jahre disziplinarische Führung, ein lückenloser Lebenslauf, Konzernerfahrung, ein spezifischer Abschluss. Jede dieser Vorgaben wirkt auf Kandidatinnen überproportional ausgrenzend, weil Erwerbsbiografien von Frauen häufiger Teilzeitphasen enthalten. In der Praxis würde meist die Hälfte dieser Kriterien ausreichen.
  • Das eigene Umfeld. Empfehlungen des bisherigen Stelleninhabers und das Netzwerk des Vorstands produzieren fast zwangsläufig eine Longlist, die der bestehenden Führungsriege ähnelt.
  • Präsenz. Drei oder vier Pflichttage am Standort stehen oft nur deshalb im Briefing, weil sie dort schon immer standen, nicht weil die Rolle das verlangt. Kandidatinnen aus anderen Regionen oder mit Familienarbeit fallen damit heraus, bevor überhaupt jemand ihren Lebenslauf gesehen hat.
  • Die erste Nachricht. Erfahrene Führungskräfte reagieren selten auf eine Ansprache, die nur Titel und Unternehmen benennt. Wer in seiner aktuellen Rolle gut aufgehoben ist, bewegt sich eher, wenn Verantwortung, Gehaltsrahmen und Rahmenbedingungen gleich beim ersten Kontakt konkret auf dem Tisch liegen. Das trifft auf Kandidatinnen erfahrungsgemäß noch stärker zu als auf Kandidaten.

Dazu kommt ein Effekt, den niemand bewusst steuert. Entscheider halten Kandidaten, die ihnen ähneln, intuitiv für passender. Je unstrukturierter ein Verfahren läuft, desto stärker schlägt diese Ähnlichkeit durch. Teilstrukturierte Interviews mit einheitlichem Bewertungsraster und eine klare Trennung von Beobachtung und Bewertung schützen davor recht verlässlich. Beides gehört bei uns zum Standard. Wie dieselben Mechanismen jenseits der Führungsetage wirken, zeigt unser Beitrag zum Diversity Management.

Was den Anteil qualifizierter Kandidatinnen im Suchprozess erhöht

Keiner der folgenden Hebel senkt die fachlichen Anforderungen. Alle sorgen dafür, dass der vorhandene Markt vollständig abgebildet wird und am Ende die Qualifikation den Ausschlag gibt. In unseren Mandaten hat sich diese Reihenfolge bewährt. Nicht jedes Mandat braucht alle sechs Schritte.

  • Anforderungsprofil trennen. Idealprofil und Minimalprofil sauber auseinanderhalten, Muss- und Soll-Kriterien getrennt führen und zu jedem Muss-Kriterium die Frage stellen, welche konkrete Entscheidung daran hängt. Erfahrung in der zweiten Reihe eines Konzerns kann für die Leitung eines Mittelständlers mehr wert sein als der formale Titel.
  • Rahmenbedingungen vorab. Gehaltsspanne, Führungsspanne, Präsenzregel, Reiseanteil. Alles, was im Briefing offen bleibt, kostet später Zeit. Die Standardauskunft, das klären wir im Gespräch, lässt erfahrungsgemäß genau die Kandidatinnen zögern, die ohnehin gut versorgt sind.
  • Longlist breiter als die Branche. Zielfirmen auch außerhalb des eigenen Segments, Adjacent-Profile mit offen benanntem Kompromiss, Kandidatinnen aus Beratung, Konzern und Scale-up. Steht am Ende keine einzige Frau auf der Liste, war in Tech-Mandaten in aller Regel die Suche zu eng und nicht der Markt zu leer.
  • Eine Ansprache mit Inhalt, bei der Rolle, Verantwortung, Entwicklungsperspektive, Rahmenbedingungen und Gehaltsspanne schon in der allerersten Nachricht konkret benannt werden.
  • Nach Raster bewerten. Teilstrukturierte Interviews mit denselben Fragen für alle, Erfolge mit Zahlen und Projektkontext belegt. Auf Wunsch kommt eine Big-Five-basierte Eignungsdiagnostik durch zertifizierte Anwender hinzu. Sie ergänzt das Beraterurteil, sollte aber nie das alleinige Kriterium sein.
  • Tempo. Vier Wochen Pause zwischen zwei Interviewrunden genügen erfahrungsgemäß, um eine Kandidatin an einen schnelleren Arbeitgeber zu verlieren. Gefragte Profile haben parallel immer mehrere Optionen auf dem Tisch.

Welche Rolle spielt die künstliche Intelligenz? In der Research hilft sie spürbar. Sie findet Profile, die in keinem Netzwerk auftauchen. Und sie durchsucht Lebensläufe eher nach Kompetenzen als nach Titeln. Die Longlist wird dadurch breiter. Beim Screening sieht es anders aus. Ein Modell, das aus früheren Einstellungen lernt, würde deren Muster fortschreiben. Waren die Einstellungen fast ausschließlich Männer, lernt es genau das. Deshalb stuft die KI-Verordnung Recruiting-Systeme als Hochrisiko ein. Seit Februar 2025 gilt zusätzlich die Pflicht zur KI-Kompetenz nach Artikel 4. Bei uns unterstützt KI die Suche. Die Bewertung findet im Gespräch statt.

Eine Suche ausschließlich nach Frauen wäre nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz nur als positive Maßnahme bei nachgewiesener Unterrepräsentanz zulässig. In der Praxis spielt das kaum eine Rolle. Nötig ist so eine Suche auch nicht. In einem vollständig abgebildeten Markt landen qualifizierte Kandidatinnen von selbst auf der Shortlist. Bewertet werden anschließend alle Profile nach demselben Raster.

Frauen in Führungspositionen: was wir in Mandaten beobachten

Ein Fall aus dem Herbst 2026. Im Briefing hatte der Kunde drei Präsenztage am Standort gesetzt. Die Kandidatin, die am Ende das Angebot bekam, lebt im ländlichen Raum und wollte vollständig remote arbeiten. In der Angebotsmail schrieb der Kunde dann: Full Remote sei kein Problem, damit habe man gute Erfahrungen gemacht. Hätten wir die Präsenzregel aus dem Briefing strikt angewendet, wäre sie nie auf unserer Shortlist gelandet.

Die Lehre daraus ist eindeutig. Nicht die Zahl verfügbarer Kandidatinnen begrenzt die Shortlist, sondern die Zahl der Vorgaben, die vor dem Suchstart niemand hinterfragt hat. Homeoffice-Anteil und Sprachanforderung sind die beiden Stellschrauben mit der größten Wirkung auf den Kandidatenmarkt. In Tech-Rollen vermutlich stärker als in jeder anderen Funktion, weil die Arbeit selbst ortsunabhängig ist. Welches Arbeitsmodell zur jeweiligen Rolle passt, hängt vom Einzelfall ab. Dass die Frage vor dem Suchstart beantwortet sein muss, hängt von nichts ab.

Prüfen Sie deshalb vor dem Suchstart jede Vorgabe. Trägt sie eine fachliche Entscheidung? Oder bildet sie nur eine Gewohnheit ab? Eine Präsenzregel lässt sich nach der Einarbeitung lockern. Ein Gehaltsrahmen unterhalb der Marktspanne eher nicht. Und sollte der Markt für Ihre Rolle tatsächlich keine passende Kandidatin hergeben, dann sollte Ihr Personalberater Ihnen das vor dem Suchstart mitteilen. Mit Zahlen aus dem Marktmapping. Nicht erst nach drei Monaten.

Viele Kunden sagen uns: Wir hätten gern eine Frau in der Führung. Dieselben Kunden setzen gleichzeitig auf jederzeitige Präsenzverfügbarkeit. An dieser Stelle liegt der Hebel, nicht in einer separaten Diversitätssuche.

Florenz Klasen (Wirtsch.-Ing.), Partner & Senior HR Consultant bei TechMinds

Zum Mitnehmen

In Deutschland stagniert der Frauenanteil in Führungspositionen seit über zehn Jahren bei rund 30 %. Weltweit liegt er bei einem Drittel. In Tech und IT fast überall darunter. Diese Zahl verändert keine Quote und keine Verordnung. Was sie bewegt, ist ein Suchprozess, der den gesamten Markt abbildet und am Ende nach Qualifikation entscheidet. Ein Anforderungsprofil ohne überflüssige Muss-Kriterien. Rahmenbedingungen, die vor dem Start feststehen. Eine Longlist, die breiter ist als das eigene Netzwerk. Und Interviews, die nach einem Raster bewerten statt nach Ähnlichkeit. Perspektivenvielfalt ist das Ziel, Fachlichkeit die Bedingung.

Wenn Sie eine Führungsposition in Tech, IT oder Engineering besetzen und dabei den vollständigen Markt sehen wollen, sprechen Sie mit uns über eine Executive Search. Marktmapping, Longlist und die Netzwerk- und Direktansprache liegen beim Mandatsteam selbst, nicht bei externen Researchern. Erste Kandidaten stehen i.d.R. innerhalb von 30 Tagen auf der digitalen Shortlist. Wie sich dieselbe Logik auf die Nachfolgeplanung für Schlüsselpositionen übertragen lässt, zeigt unser weiterführender Beitrag.

Häufige Fragen zu Frauen in Führungspositionen

30,3 % der Führungskräfte in Deutschland sind Frauen, das zeigt der Mikrozensus 2026 des Statistischen Bundesamts. In jüngeren Jahrgängen fällt der Wert höher aus, bei den 25- bis 34-Jährigen sind es 34,2 %. Weil Frauen zugleich 47,1 % der Erwerbsbevölkerung stellen, lässt sich das Thema kaum als Nachwuchsproblem erklären. Wenn Sie eine Führungsposition besetzen, suchen Sie in einem Markt, der auf der Fachebene längst gemischt ist und erst auf dem Weg nach oben dünner wird.

Unter dem EU-Schnitt. Eurostat beziffert den EU-Durchschnitt für 2024 auf 35,9 %, Deutschland bringt es auf 30,3 %. Woher kommt der Abstand? Wer sich die Spitze Europas anschaut, muss nicht nach Skandinavien, sondern vor allem ins Baltikum blicken. Lettland liegt an der europäischen Spitze, dicht gefolgt von Litauen und Schweden. Am unteren Ende findet sich Zypern. Was mich in länderübergreifenden Mandaten regelmäßig beschäftigt, ist weniger die Rangliste als die Spannweite dahinter: Zwischen Spitze und Schlusslicht liegen mehr als zwanzig Prozentpunkte. Dieselbe Rolle bringt in Stockholm eine andere Resonanz als in Frankfurt oder Zürich, und einen Teil unserer Arbeit verbringen wir damit, Sie darauf vorzubereiten.

Weiter weg, als man zunächst vermutet. Südafrika kommt im Grant-Thornton-Report Women in Business 2026 auf 44,4 % Frauen im Senior Management, Malaysia auf 41,9 %. Innerhalb Europas sind es wie oben erwähnt die baltischen Staaten. Auffällig ist die Mischung aus Schwellenländern und kleinen EU-Volkswirtschaften. Daraus lässt sich keine Formel ableiten, weil die Länder sehr unterschiedlich organisiert sind. Was man aber sagen kann: Ein Anteil über 40 % ist offenbar unabhängig vom Wohlstandsniveau erreichbar. In Gesprächen mit Mandanten, die uns fragen, ob das Ziel strukturell unerreichbar sei, führen wir diesen Vergleich gelegentlich an. Die Antwort ist nein, nur ist der Weg dorthin keine Standardoperation.

Auf der Fachebene ist in der EU rund jede fünfte IT-Kraft weiblich. Eurostat beziffert das für 2025 mit 20,2 %. Für die Führungsebene in Tech- und IT-Unternehmen gibt es keine saubere europaweite Zahl. Was aber tun, wenn gerade dort die konkrete Vakanz liegt? Was wir aus unseren Mandaten mitnehmen, deckt sich mit dem, was einzelne Länderstudien zeigen: Der Anteil fällt dort noch einmal spürbar niedriger aus. Für Sie bedeutet das in der Praxis zwei Dinge. Der Pool, aus dem wir suchen, ist von vornherein eng. Und über eine Stellenanzeige allein erreichen Sie viele dieser Frauen nicht, weil sie in Führungspositionen selten offen suchen. Eine Shortlist, die ausgewogen sein soll, braucht eine aktive, gezielte Ansprache.

Weil mehrere Dinge zusammenkommen und sich gegenseitig verstärken. Der sichtbare Pool an Frauen mit Tech-Führungserfahrung ist klein. Das ist die Ausgangslage, und daran ändert sich kurzfristig wenig. Woran liegt es dann noch? Was wir in Mandaten immer wieder sehen, sind Suchprofile, die auf durchgehende Vollzeit-Biografien zugeschnitten sind, obwohl viele passende Kandidatinnen eine Elternzeit oder einen Branchenwechsel in ihrer Vita stehen haben. Dazu kommen harte Präsenzerwartungen am Hauptstandort, die Kandidatinnen mit Familienpflichten früh herausfiltern. Und schließlich laufen informelle Vorschläge noch immer über Netzwerke, die seit Jahrzehnten männlich gewachsen sind. Jeder Punkt bleibt für sich plausibel; zusammen bleiben am Ende der Shortlist wenig Frauen. Umgekehrt sehen wir, dass sich die Shortlist deutlich verschiebt, sobald Mandanten vorher an einem Punkt drehen. Am wirksamsten ist das gemeinsame Durchgehen des Anforderungsprofils, kurz bevor die Suche startet.

Zwei Punkte bringen in unserer Mandatspraxis fast den gesamten Effekt. Nehmen Sie sich vor dem Suchstart Ihr Anforderungsprofil noch einmal vor und streichen Sie, was nicht zwingend ist. Was heißt das praktisch? Durchgehende Erwerbsbiografien verlangen Sie nur dort, wo die Rolle sie wirklich braucht; dasselbe gilt für enge Branchenerfahrung und für Präsenz am Standort. In der Praxis wirkt jeder dieser Punkte wie ein stiller Filter gegen genau die Kandidatinnen, die Sie eigentlich sehen wollen. Der zweite Ansatz liegt in der Ansprache. Mit einer Stellenanzeige allein erreichen Sie viele Frauen in Führungsrollen nicht, weil sie in solchen Positionen selten offen suchen. Hier arbeitet die Netzwerk- und Direktansprache. Was in der Vorauswahl zählt, ist dann nicht die Standardbiografie, sondern das, was jemand nachweislich bewegt hat.

Eine große. Sobald der Wohnort kein Ausschlusskriterium mehr ist, öffnet sich der Markt sofort, und zwar auf beiden Seiten. Full-Remote bringt Kandidatinnen aus Regionen und Lebenssituationen in Betracht, die bei strikter Präsenzpflicht gar nicht erst sichtbar wären. Was passiert umgekehrt bei einer Vier-Tage-Office-Regel? Vor allem Frauen mit Familienpflichten werden früh herausgefiltert. Was wir in Mandaten regelmäßig an der Shortlist ablesen: Hybridmodelle mit wenigen festen Präsenztagen arbeiten zuverlässiger als starre Office-Vorgaben, auch wenn Policy-Dokumente anderes vermuten lassen. Was auf dem Papier wie Entgegenkommen wirkt, ist am Ende ein Einstellungs- und Haltefaktor. Einer, der sich im Besetzungstempo niederschlägt.

Nicht als separates Thema, sondern als Teil der normalen Executive-Suche. Besetzt wird nach Fachlichkeit. In jedem Mandat sprechen wir den gesamten relevanten Markt an, deshalb sind qualifizierte Frauen strukturell dabei, ohne dass dafür eine zweite Suche nötig wäre. Was wir allerdings tun: Wir weisen Sie früh auf Stellen in Ihrem Profil hin, an denen der sichtbare Pool unnötig verengt wird. Dazu gehören harte Präsenzpflichten, unausgesprochene Erwartungen an das Lebensalter oder Branchenlisten, die ohne guten Grund kurz gehalten sind. Erste Kandidaten liegen i.d.R. innerhalb von 30 Tagen vor, die Besetzungszeit für Führungsrollen bewegt sich zwischen 3 und 5 Monaten.

Vor allem die Besetzung in Aufsichtsräten. Für Mandanten, die wir dort gerade begleiten, ist das Thema längst Alltag, andere kommen gerade erst dazu. Praktisch läuft die Vorgabe auf einen Zielwert hinaus, und Unternehmen können zwischen zwei Zählweisen wählen. Entweder sitzen vier von zehn Positionen in den nicht-geschäftsführenden Aufsichtsgremien börsennotierter Unternehmen beim unterrepräsentierten Geschlecht; oder, über Vorstand und Aufsichtsrat zusammen gezählt, ein Drittel. Deutschland hat die Vorgaben fristgerecht in nationales Recht gegossen, scharf gestellt werden sie zur Jahresmitte 2026. Was in Gesprächen übrigens oft untergeht: Operative Vorstandsposten sind ausgenommen. Der Hebel wirkt am Aufsichtsrat und nur dort. Wenn Sie dort heute neu besetzen, lohnt es sich, die Quote von Anfang an mitzudenken; jede Nachbesetzung läuft sonst denselben Prüfschritt noch einmal. Formal heißt das Papier übrigens Richtlinie 2022/2381, umgangssprachlich Women on Boards.

Vor allem mehr Berichtspflicht beim Lohn, und das in zwei Schritten. Bis zum 7. Juni 2026 muss die zugrundeliegende Richtlinie, in Brüsseler Zählweise 2023/970, in deutsches Recht überführt sein. Ab 2027 berichten dann alle Arbeitgeber mit 100 oder mehr Beschäftigten jährlich über ihre Entgeltstrukturen. Und was passiert, wenn der Bericht eine Lücke zwischen Frauen und Männern von mehr als 5 % zeigt? Dann startet eine gemeinsame Entgeltbewertung mit der Arbeitnehmervertretung. Auf Bewerberseite ändert sich etwas Konkretes: Verbindliche Gehaltsinformationen kommen schon vor dem Vorstellungsgespräch auf den Tisch. Aus Arbeitgebersicht sehen wir in unseren Mandaten immer wieder einen unterschätzten Punkt. Eine saubere Entgeltlogik vor Inkrafttreten einmal durchzurechnen, kostet Zeit; jede Korrektur hinterher kostet mehr davon, und obendrein mehr Geld.

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