MBTI & TKI als Messinstrumente für den Cultural Fit

MBTI-cultural-fitFachliche Fähigkeiten (Hard Skills) sind insbesondere bei technisch ausgerichteten Positionen gut messbar, wenn es z.B. um die Erfahrung mit bestimmten Technologien und IT-Systemen geht.

Soft Skills wie Kommunikationsfähigkeit und Motivation sind schon komplexer und schwerer herauszufinden. Die sogenannten weichen Merkmale und Fähigkeiten lassen sich oft erst aus einer Vielzahl von Eindrücken zwischen den Zeilen herauslesen. Für ihre Beurteilung ist insbesondere eine gute Menschenkenntnis und Beobachtungsgabe von Vorteil.

Von der schriftlichen Kontaktaufnahme über die Bewerbungsunterlagen und das erste Telefonat bis hin zum persönlichen Gespräch gibt es unzählige Gelegenheiten, das Gegenüber in seiner Art und Weise der Kommunikation und des Auftretens zu beobachten und zu bewerten.

Der Cultural Fit geht dabei noch eine Ebene tiefer. Die Passgenauigkeit zielt in diesem Bereich auf ein gemeinsames Werteverständnis sowie die Art und Weise wie Dinge angegangen werden. Wichtig für eine Führungskraft zu verstehen ist, dass es nicht das Ziel ist, dass alle Teammitglieder gleich ausgerichtet sind, sondern auf der Basis eines gemeinsamen Grundwerte-Verständnis durchaus unterschiedlich an Aufgaben und Themen herangegangen werden kann und soll.

Der Großteil der Einstellungen oder Ablehnungen wird auf Basis der fachlichen und persönlichen Einschätzungen der Ansprechpartner eines zwei- oder dreistufigen Interviewprozesses vorgenommen. Und dies ist sinnvoll: Denn der Mensch ist trotz zunehmender KI-Tools immer noch am effizientesten darin, insbesondere persönliche und kulturelle Faktoren zu verstehen und zu beurteilen. Dabei sind Beurteilungsprozesse meist so komplex und unbewusst, dass ihre objektive Bewertung schwerfällt. Nichtsdestotrotz empfehlen wir, sich dabei zusätzlich einfacher Testverfahren zu bedienen, um den Perfect Team Fit besser beurteilen zu können.

Dr. Philip Scherenberg aus dem TechMinds-Team hat sich über viele Jahre mit Coaching und Eignungsdiagnostik von Führungskräften beschäftigt. Laut ihm stellen z.B. der Myers-Briggs-Typenindikator (kurz MBTI) und der Thomas Kilman Conflict Inventory (kurz TKI) zwei einfache, praxisnahe und leicht verständliche Tools dar, um Einzelpersonen und Teams optimal mit ihren Stärken und Schwächen einsetzen zu können. Dabei sind die Tests nicht unbedingt wissenschaftlich belegt, haben sich aber in der Praxis bewährt und durchgesetzt (ähnlich wie im Management BSC oder OKR).

MBTI Typenindikator: Eine Grundlage für eine lebenslange persönliche Entwicklung

Der MBTI ist ein Tool, das auf Carl Gustav Jung zurückgeht und womit die 16 psychologischen Charaktertypen erfasst werden sollen. Der Indikator wird vornehmlich in den Bereichen Human Resources, Coaching und Eignungsdiagnostik eingesetzt.

Wer den aus Fragen bestehenden MBTI-Test durchführt, erhält zu jeder der folgenden vier Ebenen eine prozentuale Ausprägung. Die befindet sich nur sehr selten genau in der Mitte bei 50% und schlägt in verschieden starker Ausprägung in die eine oder andere Richtung aus. Aus der Kombination der Typen E/I, N/S, T/F und J/T ergeben sich 16 Persönlichkeitstypen, die einen Hinweis darauf geben, wie sich Menschen basierend auf ihrer Veranlagung tendenziell verhalten.

Der originale MBTI-Test kann entweder professionell über einen Coach/Professional absolviert werden, der dann im Nachgang die Auswertung mit einem bespricht. Alternativ gibt es eine kostenlose MBTI-Anlehnung an das Original, wo jeder den Test selbst durchführen kann.

Wir haben beide Tests ausprobiert – sowohl die professionelle als auch die kostenlose Version. Dabei kommen in etwa die gleichen Ergebnisse in Bezug auf das Typen-Ergebnis heraus. Zu beachten ist, dass bei der kostenlosen Version eine etwas plakative zusätzliche Beschreibung des Ergebnisses eingefügt wurde, wie z.B. „Kommandeur“, „Logistiker“ oder „Abenteurer“. Damit werden die recht komplexen Persönlichkeitstypen zu stark reduziert und vereinfacht.

Der MBTI beurteilt die Persönlichkeit bezüglicher Ihrer tendenziellen Ausprägung auf vier Ebenen mit je zwei entgegengesetzten Polen (Dichotomien):

MBTI-Zweigliedrigkeiten,-TechMinds-Cultural-Fit-Tool

Die MBTI-Pole anschaulich im Detail

Extraversion (E-Typ)

  • lieber zu handeln als nachzudenken
  • Dinge zu besprechen, um sie zu verstehen
  • mündliche Kommunikation vorzuziehen
  • offen über ihre Gedanken zu sprechen
  • schnell zu handeln und zu reagieren
  • stark auf Forderungen von außen einzugehen
  • gerne in Gruppen zu arbeiten
  • sich in den Vordergrund zu stellen
  • zu reden-zu denken-zu reden
  • eine lebhafte Atmosphäre vorzuziehen
  • sich einen handlungsorientierten Leiter zu wünschen
  • sich für Veränderungen zu begeistern
  • den Problemlösungsprozess mit der Gruppe in Gang zu bringen
  • zu wenig Interaktion anstrengend zu finden

Introversion (I-Typ)

  • lieber nachzudenken als zu handeln
  • Dinge zu durchdenken, um sie zu verstehen
  • schriftliche Kommunikation vorzuziehen
  • ihre Gedanken für sich zu behalten, bis diese (fast) perfekt sind
  • gründlich nachzudenken
  • sich gegen Forderungen von außen und Einmischungen zu verteidigen
  • gerne allein oder mit einem oder zwei anderen zu arbeiten
  • im Hintergrund zu bleiben
  • zu denken-zu reden-zu denken
  • eine ruhige Atmosphäre vorzuziehen
  • sich einen nachdenklichen Leiter zu wünschen
  • Veränderungen skeptischer gegenüberzustehen
  • den Problemlösungsprozess als Einzelne(r) in Gang zu bringen
  • zu viel Interaktion anstrengend zu finden

Intuition/Vision (N-Typ)

  • zuerst allgemeine Ideen hören zu wollen
  • Neues und Unerprobtes vorzuziehen
  • Einen Schwerpunkt auf die Theorie zu legen
  • Veränderung anzustreben
  • Zu denken, dass Probleme Gelegenheiten sind, innovativ zu sein und sich auf Inspiration zu verlassen
  • Sich auf die zukünftigen Möglichkeiten einer Situation zu konzentrieren
  • Wissen zu wollen, was sein könnte
  • Fantasie zu schätzen
  • sich allgemein auszudrücken
  • es zu schätzen, wenn sie von fantasievollen Menschen umgeben sind umgeben sind
  • sich eine visionäre Führung zu wünschen
  • bei Veränderungen in Sprüngen vorzugehen
  • lieber neue Problemlösungsmethoden zu entwickeln
  • gestresst zu sein, wenn sie mit vielen spezifischen Details konfrontiert sind

Realität/ Hier&Jetzt (S-Typ)

  • zuerst Fakten und Details hören zu wollen
  • sich an das Bewährte zu halten
  • einen Schwerpunkt aufs Pragmatische zu legen
  • Berechenbarkeit anzustreben
  • zu denken, dass Probleme spezifische, erfahrungsbasierte Lösungen erfordern
  • Sich auf die praktischen Anwendungen einer Situation zu konzentrieren
  • wissen zu wollen, was ist
  • Realismus zu schätzen
  • sich klar und deutlich auszudrücken
  • es zu schätzen, wenn sie von realistischen Menschen umgeben sind
  • sich eine pragmatische Führung zu wünschen
  • bei Veränderungen in Einzelschritten vorzugehen
  • lieber zu bewährten Problemlösungsmethoden zu greifen
  • gestresst zu sein, wenn sie mit vielen abstrakten Theorien konfrontiert sind

Logisch (T-Typ)

  • sich um logische Klarheit zu bemühen
  • erst infrage zu stellen
  • Sich für Daten zu interessieren
  • Zu wissen, wann Logik gefordert ist
  • Objektives vorzuziehen
  • Entscheidungen sachlich-kühl zu treffen und das Für und Wider abzuwägen
  • In einem Argument nach den Fehlern zu suchen
  • Sich zu bemühen, fair zu sein
  • sachlichen Rat anzubieten
  • Standards zu wollen, die Menschen gegenüber fair sind
  • sich eine gerechte Führung zu wünschen
  • logische Veränderungen zu bevorzugen
  • Probleme unter dem Aspekt von Ursache und Wirkung zu betrachten
  • Inkompetenz anstrengend zu finden

Gefühlsbasiert (F-Typ)

  • Sich um emotionale Klarheit zu bemühen
  • Erst zu akzeptieren
  • Sich für Menschen zu interessieren
  • Zu wissen, wann Unterstützung gefordert ist
  • Persönliches vorzuziehen
  • Entscheidungen persönlich engagiert zu treffen und Werte abzuwägen
  • In einem Argument nach punkten zu suchen, denen sie zustimmen können
  • Sich zu bemühen, verständnisvoll zu sein
  • unterstützenden Rat anzubieten
  • Standards zu wollen, die auf Menschen eingehen
  • sich eine verständnisvolle Führung zu wünschen
  • harmonische Veränderungen zu bevorzugen
  • Probleme unter dem Aspekt ihrer Auswirkungen auf Menschen zu betrachten
  • mangelnde Zusammenarbeit anstrengend zu finden

Geplant (J-Typ)

  • den Wunsch zu haben, dass Dinge festgelegt und geregelt sind
  • Aufträge vor dem Termin zu erledigen
  • Ziele und Ergebnisse zu wollen
  • Überraschungen so weit wie möglich einzuschränken
  • Schlussfolgerungen zu ziehen
  • sich schnell auf Pläne oder Entscheidungen festzulegen
  • Routine als etwas Effektives zu sehen
  • dem Plan zu vertrauen
  • sich eine systematische Kommunikation zu wünschen
  • lieber ein geplantes Arbeitsumfeld zu haben
  • einen vorausplanenden Leiter zu schätzen
  • Veränderungen ergebnisorientiert zu sehen
  • sich wohlzufühlen, wenn sie eine festgelegte Lösung anpeilen
  • Unentschlossenheit anstrengend zu finden

Flexibel (P-Typ)

  • den Wunsch zu haben, dass Dinge flexibel und offen sind
  • Aufträge zum Termin zu erledigen
  • sehen zu wollen, was passiert
  • Überraschungen zu begrüßen
  • sich nicht festzulegen
  • sich vorzubehalten, Pläne oder Entscheidungen zu ändern
  • Routine als etwas Einschränkendes zu sehen
  • dem Prozess zu vertrauen
  • sich eine spontane Kommunikation zu wünschen
  • lieber ein flexibles Arbeitsumfeld zu haben
  • einen anpassungsfähigen Leiter zu schätzen
  • Veränderungen prozessorientiert zu sehen
  • sich wohlzufühlen, wenn sie sich Optionen offenhalten
  • voreilige Entscheidungen anstrengend zu finden

TKI: Das weltweit meistverkaufte Konfliktbewälti­gungswerkzeug

Der Thomas Kilman Conflict Inventory (TKI) ist ein international anerkanntes Tool zur Analyse von Konflikttypen. Es unterstützt das professionelle Konfliktmanagement in Teams für zufriedenere und produktivere Mitarbeiter.

Die beiden grundlegenden Dimensionen menschlichen Verhaltens (Durchsetzungsvermögen und Kooperationsbereitschaft) werden dazu verwendet, fünf verschiedene Typen für die Reaktion auf Konfliktsituationen zu definieren:

  • Der Konkurrierende ist durchsetzungsfähig und unkooperativ: Dieser Typ verfolgt seine eigenen Anliegen auf Kosten des anderen. Dies ist ein machtorientierter Modus, bei dem diese Personen alle Mittel einsetzen, die ihnen angemessen erscheinen, um ihre eigene Position zu stärken. Konkurrieren bedeutet, „für seine Rechte einzutreten“, eine Position zu verteidigen, die Sie für richtig halten, oder einfach zu versuchen, sie zu gewinnen.
  • Der Entgegenkommende ist nicht durchsetzungsfähig und kooperativ – das genaue Gegenteil von Konkurrieren. Wer sich anpasst, vernachlässigt seine eigenen Anliegen, um die Anliegen des anderen zu erfüllen; in diesem Modus gibt es ein Element der Selbstaufopferung. Entgegenkommen kann die Form selbstloser Großzügigkeit oder Nächstenliebe annehmen. Entgegenkommen kann auch dafür sorgen, dem Befehl einer anderen Person zu gehorchen, obwohl man das lieber nicht tun möchte, oder schlicht dem Standpunkt eines anderen nachzugeben.
  • Der Vermeidende ist durchsetzungslos und unkooperativ – die Person verfolgt weder ihre eigenen Anliegen noch die der anderen Person. Daher befasst sie sich nicht mit dem Konflikt. Vermeiden kann die Form eines diplomatischen Ausweichens auf ein Thema annehmen. Durch Vermeiden kann das Thema auf einen besseren Zeitpunkt verschoben werden. Es kann auch bedeuten, sich einfach aus einer bedrohlichen Situation zurückziehen.
  • Der Zusammenarbeitende ist sowohl durchsetzungsfähig als auch kooperativ – das genaue Gegenteil von Vermeiden. Zusammenarbeit beinhaltet den Versuch, mit anderen zusammenzuarbeiten, um eine Lösung zu finden. Es bedeutet, sich mit einem Problem auseinanderzusetzen, um die zugrunde liegenden Bedürfnisse und Wünsche der beiden Personen zu ermitteln. Die Zusammenarbeit zwischen zwei Personen kann in der Form erfolgen, dass man eine Meinungsverschiedenheit diskutiert, um vom anderen zu lernen, oder dass man versucht, eine kreative Lösung für ein zwischenmenschliches Problem zu finden.
  • Der Kompromissbereite ist sowohl in Bezug auf das Durchsetzungsvermögen als auch auf die Kooperationsbereitschaft moderat. Das Ziel besteht darin, eine sinnvolle, für beide Seiten akzeptable Lösung zu finden, die beide Parteien teilweise zufrieden stellt. Sie liegt zwischen konkurrierend und entgegenkommend. Wer Kompromisse eingeht, geht zwar nicht in Konkurrenz, kommt aber auch nur bedingt entgegen. In manchen Situationen kann ein Kompromiss bedeuten, die Differenz zwischen den beiden Positionen auszugleichen, Zugeständnisse zu machen oder eine schnelle Zwischenlösung zu finden.

Test zur Bestimmung des Konflikttyps >

Zusammenfassung

Insbesondere in eng zusammenarbeitenden Teams kommt es darauf an, dass sich die Stärken und Schwächen der Mitarbeiter ergänzen und ausgleichen. Auf diese Weise decken Teams die unterschiedlichen Perspektiven und Gesichtspunkte einer Fragestellung ab und können insgesamt schneller und besser zum Ziel kommen als einseitige Teams. Hinzu kommt, dass ein gegenseitiges Verständnis und eine gegenseitige Ergäzung der Charaktere die Produktivität, Arbeitsatmosphäre und die Ergebnisse positiv beeinflussen. Der entsprechende Cultural Fit ist nicht immer leicht zu erkennen und basiert oft auf einem Bauchgefühl. Der MBTI und der TKI stellen dabei praktische Systematiken und Tools zur Verfügung, die einerseits das Verständnis für die gesuchte Person und andererseits die Auswahl eines Mitarbeiters sehr gut unterstützen können.

Quellen:

Florenz Klasen | TechMinds Personalberatung Team

AUTOR DES BEITRAGS

Florenz Klasen

Der gebürtige Hamburger, Florenz Klasen, studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Hamburg und Birmingham. Herr Klasen hat Unternehmen in der Digital- und IT-Branche – ein App-Startup sowie die Abteilung eines Mittelstandunternehmens für IT-Personalberatung – aufgebaut und zum Erfolg geführt. TechMinds ist aus dieser Leidenschaft entstanden: Großartige Teams für zukunftsweisende Tech & IT Projekte zusammenzuführen.

TechMinds-Logo-IT-Personalberatung,-Logo-+-Subline

Wir selbst haben Unternehmen in der Digital- und IT-Branche aufgebaut und zum Erfolg geführt. Die TechMinds GmbH ist aus dieser Leidenschaft entstanden: Großartige Teams für zukunftsweisende Tech & IT Projekte zusammenzuführen.

MENÜ

STANDORTE

HAUPTSITZ HAMBURG
Trostbrücke 1
20457 Hamburg
+49 40 228595-570

BÜRO MÜNCHEN
Schäfflerstr. 4
80333 München
+49 89 215367-160

QUALITÄTSSIEGEL

techminds-gmbh-proven-reference-badge

KANDIDATEN-APP

Selfster App | TechMinds