Introvertierte während der Pandemie: Welche Chancen Corona für ‚leise Menschen‘ im Arbeitsalltag birgt

Vieles hat sich seit Beginn der Covid-19-Pandemie verändert: AIntrovertiert während der Corona-Pandemie | TechMindsngefangen bei Abstandsregeln, Maskenpflicht und Homeschooling über den kompletten Lockdown des alltäglichen Lebens bis hin zu einschneidenden Umbrüchen im Arbeitsalltag: Das ‚neue Normal‘ war die Abkehr vom Großraumbüro und dem gemeinsamen Arbeiten vor Ort hin zum Arbeitsplatz zu Hause in den eigenen vier Wänden – dem Homeoffice. Dabei handelte es sich nicht um eine langsame, sich über Jahre hinweg etablierende Entwicklung von New Work und Arbeit 4.0, sondern um einen radikalen Einschnitt: Von heute auf morgen zogen unzählige Arbeitnehmer auf unbestimmte Zeit vom Office ins Homeoffice.

Zwar ist seit dem 01.07.2021 die Homeoffice-Pflicht offiziell aufgehoben, doch dass sich der Arbeitsmarkt und -alltag durch die Covid-19-Pandemie auch langfristig verändern wird, zeigen Studien, die über ein Jahr die Entwicklungen der Arbeitswelt beobachteten. Während im April 2020 noch 15 Prozent der Befragten der Meinung waren, es ändere sich langfristig nichts am status quo der Arbeitswelt, glauben das im März 2021 nur noch 7 Prozent. 61 Prozent der Befragten sind im März 2021 der Ansicht, dass das Homeoffice vermehrt auch nach der Pandemie langfristig beibehalten wird. Ebenso sehen 55 Prozent einen flexiblen Wechsel zwischen Büro und Homeoffice als reale Möglichkeit in der Zukunft.

Veränderung Arbeitsalltag COVID-19 Pandemie | TechMinds

Dieser Wandel birgt viele Probleme und erfordert schnelle Anpassungsfähigkeit an einen zurückgezogenen Arbeitsalltag am Küchentisch oder bestenfalls im bereits eingerichteten Büro zu Hause. Waren im Officealltag vor allem Extrovertierte die großen Gewinner, sind es im Homeoffice die introvertierten Arbeitnehmer, die von den Restriktionen der Pandemie profitieren und zu Hause förmlich aufblühen.

Die Corona-Arbeitswelt bietet Introvertierten endlich die große Chance, den Arbeitsalltag so zu gestalten, dass er zu ihrer Persönlichkeitsstruktur und Art des Arbeitens passt. Doch wie genau verändert sich die Arbeitswelt durch die Covid-19-Pandemie und wie können zurückhaltende Menschen davon profitieren? Warum fällt es Introvertierten leichter, im Corona-Homeoffice zu reüssieren? Und ist es tatsächlich so, dass Extrovertierte die Verlierer in der Pandemie sind? Wir wollen diesen Fragen im Folgenden auf den Grund gehen, verschiedene Perspektiven beleuchten und Studien vergleichen.

Introversion vs. Extraversion: Was bedeuten die Begriffe überhaupt?

Um über Gewinner und Verlierer in der pandemiegeplagten Arbeitswelt sprechen zu können, müssen vorerst die beiden Lager – Introvertierte und Extravertierte – in den Fokus rücken.

Als Gegensatzpaar beschreiben die Begriffe ‚Introversion‘ sowie ‚Extraversion‘ stabile Persönlichkeitseigenschaften, die Menschen von Grund auf definieren. Erstmals verwendet hat der Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie Carl Gustav Jung diese Begrifflichkeiten in seiner Klassifikation der Persönlichkeitstypen. Entgegen vieler salopper Definitionen und dem alltäglichen Sprachgebrauch bezeichnet die ‚Introversionkeine soziale Phobie, Schüchternheit oder Misanthropie (Menschenhass).

Der Grundunterschied liegt vielmehr im Ursprung der psychischen Energie, die entweder nach außen (extravertiert) oder nach innen (introvertiert) gerichtet ist. Intro- und Extraversion beziehen sich somit vor allem auf die individuelle Wahrnehmung, menschliche Intuition, Denken und Fühlen. Im Gegensatz zu extravertierten Personen nutzt sich die Energie Introvertierter an sozialer Interaktion ab. Introvertierte benötigen somit meist Ruhe und Stille, um sich zu erholen und Energie tanken zu können. Dementgegen schöpfen Extravertierte Kraft durch ein ausgeprägtes Sozialleben.

Diese Basis von C. G. Jung ergänzt Psychologe und Persönlichkeitsforscher Hans Jürgen Eysenck durch den Gedanken einer grundlegenden Persönlichkeitsdimension: Introversion und Extraversion sind somit keine klar voneinander getrennten Pole, sondern zeichnen sich durch viele Abstufungen aus. Die gesamte Dimension ist somit mehr ein Kontinuum von sehr introvertiert bis sehr extravertiert – mit zahlreichen Zwischenschritten. Eysenck forscht außerdem zum Ursprung der beiden Persönlichkeitstypen und postuliert, „dass Introvertierte weniger Reize von außen benötigen, damit ihr Gehirn ein Erregungsniveau erreicht, bei dem sie sich wohlfühlen“, wie Werner Stangl im Online-Lexikon für Psychologie und Pädagogik schreibt.

Nach Eysenck geht die Differenz zwischen Intro- und Extraversion also auf die Erregbarkeit des kortikalen Gehirns zurück: Extravertierten Menschen mangelt es eher an inneren Reizen, sodass sie eine äußere Anregung benötigen. Dadurch sind Extravertierte meist geselliger, risikobereiter und abenteuerlustiger, um ein optimales kortikales Niveau der Erregung zu erhalten. Dazu gelten extravertierte Personen zumeist als leichtfertiger, unbedachter, dominanter, impulsiver, aktiver und ausdrucksstarker. Eine introvertierte Persönlichkeitsdimension zeichnet sich durch ein stilles und eher ruhiges Wesen aus, durch mehr Zurückhaltung und in sich gekehrt sein sowie eine reservierte, schüchterne Art im Vergleich zu extravertierten Strukturen.

Die Dimensionen der Extraversion-Introversion gehört zu den fünf wichtigsten Persönlichkeitsmerkmalen, sind also Teil der ‚Big Five‘, die eine Persönlichkeit beschreiben und deshalb in jedem Persönlichkeitstest enthalten. Dabei arbeiten einige Persönlichkeitstests (z.B. Myers-Briggs Typenindikator) noch immer mit Jungs bipolarem, zweigeteilten Modell. Andere dagegen verwenden Eysencks Dimensionen bzw. Persönlichkeitskontinuum (Eysencks PEN-Modell) oder unterscheiden verschiedene Typen von Introversion.

So beispielsweise das 4-Typen-Modell der Intro-DNA von Doris Märtins: Sie unterscheidet vier verschiedene Verhaltensstile Introvertierter:

  • (1.) Masterminds (M-Intros) sind Denkertypen, die im Stillen lenken und oft Führungspositionen innehaben.
  • (2.) Supersensibles (S-Intros) verfügen über eine außergewöhnlich hohe Wahrnehmungsfähigkeit und ein feines Gespür für Ästhetik und Menschen. Gleichzeitig sind sie oft leicht reizbar und wirken so eher anstrengend auf ihr Umfeld.
  • (3.) Nerds (N-Intros) fällt es schwer, sich auf andere Menschen einzustellen, denken dafür aber logisch und sind exzellent auf ihrem Fachgebiet.
  • (4.) Auch Cocooner (C-Intros) stehen ungern im sozialen Rampenlicht und fühlen sich in Gegenwart vertrauter Personen am wohlsten.

4 Typen von Introvertierten | TechMinds

Die zahlreichen Facetten der Introversion in Märtins Intro-DNA verdeutlichen, dass nicht alle Introvertierten gleiche Persönlichkeitsmerkmale verzeichnen und viele Eigenschaften sehr produktiv für die eigene Karriere sowie den Arbeitgeber sein können. Dennoch war die Arbeitswelt vor der Covid-19-Pandemie eine Welt der Extrovertierten.

Die Arbeitswelt vor der Corona-Pandemie: Introvertierte klar im Nachteil

Nicht nur im Arbeitsalltag, sondern auch in der gesamten Gesellschaft waren Extrovertierte stets die Gewinner: Die westliche Welt ist geprägt von einem Ideal der Extraversion, auf das auch sämtliche Institutionen zugeschnitten sind. Egal ob Schule, Universität oder Arbeitsplatz: Der ideale Arbeitnehmer gilt als gesellig, risikofreudig, belastbar und vor allem kommunikationsbegabt. Gerade die Strukturen von Großraumbüros, in denen es oft laut, hektisch und unübersichtlich zugeht, behindern die Leistungsfähigkeit Introvertierter, wodurch Extravertierte – wie so oft – im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen.

Menschen, die schnell sowie laut sprechen und oft das letzte Wort haben, werden, wie Psychologe Howard Giles schreibt, grundsätzlich als kompetenter, sympathischer, klüger, attraktiver und interessanter eingeschätzt. Extrovertierte behaupten sich also nicht nur in Diskussionen unter Kollegen, sondern erscheinen auch Vorgesetzten oftmals aktiver, kompetenter und produktiver.

Um im Arbeitsalltag als ‚leiser Mensch‘ klarzukommen und ebenso erfolgreich zu sein wie extravertiertere Persönlichkeiten, werden Introvertierte zwangsläufig dazu gedrängt, Verhaltensformen Extrovertierter zu adaptieren. Da die Introversion nach Jung zu den stabilen Persönlichkeitsmerkmalen gehört und somit nicht verändert oder abgelegt werden kann, wird das ständige Adaptieren zu einer lebenslangen Aufgabe. Auf Dauer wirkt dieser Anpassungszwang ermüdend auf Körper und Geist – was wiederum die erhöhte Anfälligkeit Introvertierter für Erkrankungen wie Burnout mit sich bringt: Die Arbeitswelt vor Corona sei, wie die Schweizer Psychologin Dr. Sina Bardill schreibt, „durch so viele Bedingungen [gekennzeichnet], die Intros nicht entsprechen, dass es schwierig geworden ist, sich innerhalb der eigenen Komfortzone zu bewegen. Viel zu oft müssen Menschen heute über ihre Grenzen gehen – und Intros leiden besonders darunter.“

Für Introvertierte gestaltete sich der Vor-Corona-Arbeitsalltag somit schwierig und erforderte immer wieder große Anstrengungen, um sich an extrovertierte Standards anzupassen. Doch wie genau sehen überhaupt ideale Arbeitsbedingungen für Introvertierte aus? Und wie werden diese Idealbedingungen durch die Corona-Pandemie zur großen Chance für ‚leise Menschen‘?

Covid-19 als große Chance: Wie Introvertierte plötzlich zu den Gewinnern in der Corona-Arbeitswelt werden

Die Covid19-Pandemie und die damit einhergehenden Restriktionen verändern von heute auf morgen die Arbeitswelt: Ausgangssperre, Kontaktbeschränkungen und Homeoffice-Pflicht verlagern den Alltag in die eigenen vier Wände – und bieten endlich auch Introvertierten die Chance, ihren Bedürfnissen entsprechend zu arbeiten. Wie wichtig es ist, dass sich die Arbeitswelt an den Rhythmus und die Ansprüche ‚leiser Menschen‘ anpasst, zeigt die prozentuale Verteilung Introvertierter und Extravertierter: 30 bis 50 Prozent der Menschen zeichnet das Persönlichkeitsmerkmal der Introversion aus – somit hat es ein Drittel bis die Hälfte aller Arbeitstätigen Tag für Tag schwer, sich in einer auf extrovertierte Personen ausgerichtete Arbeitswelt zu behaupten.

Anteil Introvertierte | TechMinds

Im Homeoffice finden nun Introvertierte paradiesische Arbeitsbedingungen: Leise Menschen arbeiten gerne alleine und in ihrem eigenen Tempo. In der ruhigen und ungestörten Atmosphäre können sie sich auf ihre Aufgaben konzentrieren und werden nicht von zufälligen Begegnungen aus der Ruhe gebracht. Die ruhige, ungestörte Arbeitsatmosphäre sorgt so für mehr Kreativität und Produktivität – und beste Ergebnisse. Introvertierte haben im Homeoffice die Möglichkeit, ihre Gedanken und Ideen voll auszuarbeiten und diese dann ohne Druck im (digitalen) Plenum zu präsentieren.

Zusätzliche Erleichterung bieten geplante Video-Meetings, die durch den Bildschirm für Distanz und somit weniger Aufregung sorgen. Diese virtuelle Entfernung birgt für introvertierte Menschen zudem auch eine Erleichterung im Bewerbungsprozess oder in den ersten Wochen in einem neuen Unternehmen: Beispielsweise nimmt ein digitales Onboarding Druck aus kniffeligen Situationen zu Beginn eines neuen Arbeitsverhältnisses. Wer als Introvertierter tendenziell bereits im Alltag Social Distancing betreibt, scheint so bereits von Anfang an im Homeoffice besser zurecht zu kommen.

Diese These untermauert eine Studie des Psychologie-Professors Hannes Zacher, der an der Universität Leipzig forscht. Zacher untersuchte die Auswirkungen der Pandemie auf das Stressempfinden, Wohlbefinden und die Persönlichkeitsfaktoren, die dies beeinflussen. In der Langzeitstudie wurden von April bis September 2020 etwa 600 Erwerbstätige aller Altersgruppen zwischen 16 und 70 Jahren aus ganz Deutschland befragt – Geschlecht und Berufsgruppen waren ungefähr repräsentativ für die deutsche Erwerbsbevölkerung verteilt.

Das Ergebnis: Extravertierte Menschen waren während des ersten Corona-Lockdowns deutlich gestresster – Introvertierte erlebten dagegen durch die eher zurückgezogene Art in der ersten Welle der Pandemie weniger Stress. Hannes Zacher sagt in einem Interview mit dem MDR: „Normalerweise ist es so, dass extravertierte Menschen, die gerne unter anderen und sehr gesprächig sind, ein höheres Wohlbefinden haben. Aber in der Pandemie scheint sich das umgekehrt zu haben und die introvertierten Menschen sind eher im Vorteil.“

Auch Jennifer B. Kahnweiler, Bestsellerautorin und eine der Top-Coaches für Introvertierte in der Arbeitswelt, sieht leise Menschen im Arbeitsalltag der Corona-Krise als klare Gewinner: Introvertierte Menschen strahlen von Grund auf mehr Ruhe aus, was sich gerade in Krisenzeiten bewährt und sind dazu besonnen sowie gewissenhaft – eine essenzielle Basis, wenn die ganze Welt ins Wanken gerät. Introvertierte denken zudem zuerst und sprechen später: Eine gründliche Reflexion dessen, was andere sagen und denken, steht immer an erster Stelle, bevor sich eine introvertierte Person zu Wort meldet. Die Stärke Introvertierter ist somit vor allem der überdurchschnittliche Tiefgang, der sich in Form von gründlichen Analysen und tiefgehenden Gesprächen äußert.

Vier Strategien für den Umgang mit Introvertierten im Corona-Arbeitsalltag

Der Umgang mit und die Führung von introvertierten Mitarbeitern ist für Vorgesetzte eine diffizile Aufgabe – egal ob vor oder während der Covid-19-Pandemie.

(1.) Vermeiden Sie als Vorgesetzter vor allem ständige – und unangemeldete – Kontrollanrufe und geben Sie introvertierten Mitarbeitern viel Freiraum, sodass die benötigte Ruhe und Konzentration erhalten bleibt. Üben Sie sich also in Geduld und kontaktieren Sie Ihren Arbeitnehmer am besten über Messenger oder E-Mail. So wird Ihr introvertierter Mitarbeiter nicht abgelenkt und kann antworten, wann es ihm passt.

(2.) Lassen Sie Introvertierten in (Video-)Meetings Zeit und Raum, ihre Meinung zu äußern. Oft denken leise Menschen etwas länger nach, bevor Sie Ihnen dann aber ausgereifte Ideen präsentieren.

(3.) Außerdem sollten Sie akzeptieren, dass nicht jeder Ihrer Mitarbeiter bei digitalen Teamevents Lust auf Smalltalk hat oder gerne auch über Privates spricht. Das hat nichts mit Arroganz oder menschlicher Distanz zu tun, sondern liegt in der Art Introvertierter, die weniger das Bedürfnis nach menschlicher Nähe haben.

(4.) Achten Sie zudem darauf, introvertierte Mitarbeiter explizit mit in Gespräche einzubeziehen und in Meetings deren Leistungen und Erfolge öffentlich zu kommunizieren, da sie tendenziell eher ihr Licht unter den Scheffel stellen. Lockern Sie beispielsweise die Atmosphäre zu Beginn eines Meetings durch eine simple ‘Check-in’-Frage (‘Mit welcher Aufgabe beschäftigen Sie sich heute?’) auf, um leise Mitarbeiter ohne Druck aus der Reserve zu locken. So werden Ihre introvertierten Arbeitnehmer im Homeoffice aufblühen und ihr Team aus der Ferne durch Kreativität und Produktivität bereichern.

4 Tipps im Umgang mit Introvertierten im Homeoffice | TechMinds

Das große Aber: Studien zum allgemeinen Wohlbefinden sehen Introvertierte während Corona im Nachteil

Die Studie der Psychologen der Universität Leipzig bekommt allerdings auch Gegenwind anderer Wissenschaftler, die die Corona-Situation als trügerisches Paradies für Introvertierte sehen. Maryann Wie von der Universität Wollongong in Australien hat beispielsweise Hinweise dafür gefunden, dass Introvertierte oft schlechter mit dem Verlust gewohnter Strukturen umgehen können und somit teilweise auch den Wechsel ins Homeoffice schlechter verkraften. Zudem neigen leise Menschen vermehrt dazu, Probleme zu zerdenken, zu grübeln und ziehen sich bei Schwierigkeiten in sich selbst zurück, anstatt bei Vorgesetzten um Hilfe zu bitten. Extravertierte sind dagegen in ihrer Grundeinstellung von Beginn an positiver – und optimistischer – und können auch in Krisensituationen davon profitieren.

Wirtschaftspsychologin Ingrid Gerstbach sieht ebenso die Extravertierten als Gewinner der Pandemie, da sie sich meist leichter tun, aufzustehen und ihre Ideen zu präsentieren – auch in Video-Meetings. Hier wird es für Introvertierte schwierig, mitzuhalten, denn: Extravertierte Selbstdarsteller dominieren meist auch virtuelle Gespräche und werden so als besonders präsent wahrgenommen, da oft nicht die Leistung, sondern lediglich der Redeanteil in Meetings zählt.

Für Introvertierte können sich Video-Meetings schnell wie ein Vorstellungsgespräch anfühlen, da keine Nebengespräche stattfinden und ständige Präsenz zu zeigen ist. Dazu verändert sich durch das Homeoffice zudem der heiß geliebte Rückzugsort Introvertierter: War das eigene Zuhause zuvor geschützter Raum, um Kraft tanken zu können und so wieder Energie für den Alltag zu generieren, sorgen die Corona-Beschränkungen dafür, dass sich nun tagtäglich die ganze Familie oder Wohngemeinschaft dort aufhält und ein hohes Maß an sozialer Interaktion erfordert.

Dennoch greift die vereinfachte Einteilung in die beiden Pole Intro- und Extraversion nicht unbedingt, denn zahlreiche andere Faktoren müssen im subjektiven Umgang mit der Covid-19-Pandemie mitberücksichtigt werden. Wichtig ist beispielsweise die emotionale Grundhaltung, die darüber entscheidet, wie mit Risiken und Schwierigkeiten umgegangen wird: Ist das Glas halbvoll oder halbleer?

Eine positive Grundhaltung hilft dabei, auch schwierigen Situationen wie der weltweiten Pandemie etwas Gutes abzugewinnen. Außerdem von Vorteil ist ein hohes Maß an Flexibilität, das im Homeoffice dafür sorgt, sich schnell an die neue Situation gewöhnen zu können und sich nicht gegen Veränderungen zu sträuben. Dazu ist eine strukturierte Vorgehensweise im Homeoffice unerlässlich, um Routinen und Strukturen im Alltag zu etablieren und so Arbeitsalltag und Familienleben unter einen Hut zu bekommen.

Wer im Homeoffice reüssieren möchte, muss zudem die Initiative ergreifen und neue Ideen und Lösungen anbringen. Entscheidend ist letztendlich natürlich auch die intrinsische Motivation jedes Arbeitnehmers: Wer Sinn in dem sieht, was er macht, dazu Wertschätzung und Anerkennung erhält, kann aus sich selbst heraus Energien freisetzen, um den Wechsel ins Homeoffice zu überstehen. Wir verraten Ihnen dennoch, wie Sie als Führungskraft dafür sorgen können, dass sowohl Introvertierte als auch Extrovertierte im Homeoffice besser klarkommen.

Introvertierte und Extravertierte im Homeoffice – Sieben Tipps für den Arbeitsalltag in den eigenen vier Wänden

Egal, ob Sie introvertiert oder extravertiert sind – mit unseren sieben Tipps und Strategien für den Arbeitstag im Homeoffice werden Sie bestens mit dem Wechsel vom Office in die eigenen vier Wände klarkommen. Allem voran sollten Sie aktiv eine Strategie entwickeln, wie Sie

(1.) Arbeit und Alltag unter einen Hut zu bekommen – Stichworte sind hierbei Integration und Segregation. Wichtig ist, dass Sie darauf achten, dass Sie einerseits die Möglichkeit haben, ihren Lebensalltag in den Arbeitsalltag zu integrieren – beispielsweise Ihre Kinder beim Homeschooling zu unterstützen oder Arzttermine wahrnehmen zu können. Andererseits gilt es, dass Sie sich immer wieder selbst an die nötige Abgrenzung erinnern, an eine ausgewogene Work-Life-Balance. Gerade im Homeoffice kann es schnell dazu kommen, dass sich Arbeits- und Lebensalltag mehr und mehr vermischen. Hier droht große Gefahr: Viele Arbeitenden können im Homeoffice zunehmend schlechter abschalten und gefährden somit ihre physische und psychische Gesundheit.

Wichtig ist zudem ein gutes (2.) Zeitmanagement: Der Arbeitstag sollte möglichst durchstrukturiert sein, um auch zu Hause effektiv arbeiten zu können und remote ohne direkte Führung gute Ergebnisse zu erzielen.

Natürlich müssen auch das (3.) Arbeitsumfeld und der Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden stimmen. Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arbeitgeber nach einem funktionalen Schreibtisch sowie einem ergonomischen Bürostuhl, damit Sie durch diese Basics ein gesundes Arbeitsumfeld in Ihrem Homeoffice schaffen. Auch Noise-Cancelling-Kopfhörer, ein Bildschirm für entspanntes Arbeiten und andere Gadgets erleichtern Ihnen den Arbeitsalltag abseits des Büroalltags.

Um in den eigenen vier Wänden das Team nicht aus den Augen zu verlieren, sollten regelmäßig (4.) digitale Meetings angesetzt werden. So können Sie sich entweder mit einzelnen Mitarbeitern abstimmen oder gemeinsam mit dem gesamten Team beratschlagen. Sie haben Kollegen, die eher introvertiert sind?

Berücksichtigen Sie unbedingt deren Bedürfnisse: Geben Sie ihnen Raum und verlagern Sie die alltägliche Kommunikation (5.) auf E-Mail oder Chat, um Introvertierte in ihrem Arbeitsalltag nicht zu stören.

Ein wichtiger Ratschlag ist zudem, (6.) feste Rituale für den Arbeitstag im Homeoffice zu etablieren: Sei es ein tägliches Morgenritual mit leckerem Frühstück und Morgengymnastik, regelmäßige Pausen, ein kleiner Spaziergang in der Mittagspause oder der digitale Sportkurs nach Feierabend – Rituale sorgen für mehr Struktur und Konsequenz, aber auch Durchhaltevermögen im Homeoffice.

Auch (7.) feste Ziele setzen gehört zu wichtigen Strategien, wenn es darum geht, auch von Zuhause aus effektiv zu arbeiten. Gemeinsam mit Ihrem Team können Sie Pläne und Ziele für jeden Tag, eine gesamte Woche oder einen ganzen Monat setzen. So bleiben alle nachhaltig motiviert und haben ein Ziel vor Augen, für das es sich zu arbeiten lohnt.

Fazit

Die Covid-19-Pandemie und die damit einhergehenden Restriktionen sorgen für tiefgreifende Veränderungen in der Arbeitswelt und dem Arbeitsalltag. Sowohl introvertierte als auch extravertierte Menschen werden vor ganz neue Herausforderungen gestellt – und gehen unterschiedlich damit um. Während sowohl einige Studien dafür sprechen, dass Extrovertierte im Allgemeinen besser mit den einschränkenden Restriktionen umgehen können, profitieren dennoch vor allem Introvertierte von den coronabedingten Umwälzungen im Arbeitsalltag, fühlen sich im Homeoffice – abseits des Großraumbüros – pudelwohl und blühen regelrecht auf.

Zuhause können introvertierte Mitarbeiter in Ruhe und ohne Ablenkung konzentriert arbeiten, müssen Ihre Akkus nicht durch ständige soziale Interaktion abnutzen und haben so mehr Kraft für ihre Aufgaben. Zudem können leise Menschen in den eigenen vier Wänden in einem eigenen Tempo arbeiten und sich – ihren Stärken entsprechend – tief in Sachverhalte einarbeiten.

Dennoch zählt vor allem der subjektive Umgang mit den Corona-Restriktionen: Psychisch gesund bleiben hierbei vor allem Menschen, die eine positive Grundhaltung an den Tag legen, sich schnell an neue Situationen anpassen und sich Struktur und Routine im Homeoffice schaffen können.

Fest steht allerdings, dass ‚nach Corona‘ auch der Arbeitsalltag nicht mehr der Gleiche sein wird: Ein Wertewandel zeichnet sich bereits jetzt deutlich ab und wird dafür sorgen, dass sich die Arbeitswelt mehr an die Bedürfnisse Introvertierter anpasst. Ein Tag im Homeoffice kann hierbei schon einen großen Unterschied machen und für eine kleine ‚Verschnaufpause‘ introvertierter Mitarbeiter sorgen: keine persönlichen Meetings, kein Kaffeeplausch – dagegen viel Ruhe und die Möglichkeit, den Arbeitsalltag selbstständig zu gestalten.

Diese kleinen Schritte bieten Introvertierten mehr Freiheit sowie Selbstbestimmung und befördern durch Selbstorganisation deren persönliches Wachstum. Auch die Gesellschaft an sich scheint durch die Pandemie für die vielfältigen Persönlichkeitsstrukturen der Menschen sensibilisiert zu sein und tritt so einen gesellschaftlichen Wandel in Gange, der sich auch auf die Arbeitswelt und deren Standards auswirkt.

Florenz Klasen | TechMinds Personalberatung Team

AUTOR DES BEITRAGS

Florenz Klasen

Der gebürtige Hamburger, Florenz Klasen, studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Hamburg und Birmingham. Zunächst arbeitete Herr Klasen im Projektmanagement des internationalen Tech-Konzerns NXP und als IT-Unternehmer in einem App-Startup, wo er Teams zum Erfolg führte.

Die TechMinds Personalvermittlung ist aus dieser Leidenschaft entstanden: Großartige Teams für zukunftsweisende Tech & IT Projekte zusammenzuführen. Herr Klasen wird Ihr zentraler Ansprechpartner & Headhunter rund um Ihre Personalsuche sein.

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