Generation Y in der Arbeitswelt: So gehen Sie mit anspruchsvollen Arbeitnehmern um

Generation Y in der Arbeitswelt - TechMindsMit dem schleichenden Ausscheiden der Babyboomer-Generation sind die heute 26- bis 41-Jährigen – die Generation Y – auf dem besten Weg, zur größten Altersgruppe am deutschen Arbeitsmarkt aufzusteigen. Schon jetzt macht ihr Anteil 35 Prozent der erwerbstätigen Bevölkerung aus.

Mit der Generationenverschiebung kommen auch auf Arbeitgeber Neuerungen zu. Fakt ist: Keine Generation vor ihnen hat so hohe Ansprüche an Arbeitgeber gestellt – von Teilzeitmodellen über Berufseinstieg, flexiblen Arbeitszeiten bis hin zu grenzenlosen Homeoffice-Möglichkeiten. Fühlen sich Millennials schlecht behandelt oder unfair bezahlt, kündigen diese schneller, als Sie ein Personalgespräch vereinbaren können.

Sie haben das Gefühl, Ihr Millennial sieht sich bereits nach neuen Jobmöglichkeiten um, obwohl Sie ihm viele Möglichkeiten in Ihrem Unternehmen gegeben haben? Vielleicht haben Sie bei all den Mühen dennoch den ein oder anderen Faktor übersehen, auf den Millennials viel Wert legen.

In unserem Artikel erfahren Sie, was diese neue Generation an Arbeitnehmern politisch prägt, mit welchen Arbeitsmodellen Sie Millennials langfristig glücklich machen und wie Sie junge High-Potentials an Ihr Unternehmen binden, ohne Ihre Prinzipien zu verraten. 

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First things first: Definition ‚Millennials‘

Von der ‚Generation Y‘ als eigenständiger Generation wird seit 1993 gesprochen. Die Marketing-Fachzeitschrift Advertising Age beschrieb zu dieser Zeit in einem Artikel die Charakteristiken von maximal zwölf Jahre alten Jugendlichen als ‚anders‘ – und gab ihnen damit den Status einer neuen Generation. Die Argumentation fußte auf dem Buch Generations, das der Historiker William Strauss zusammen mit dem Ökonomen und Demografen Neil Howe 1991 veröffentlichte. Sie prägen darin den Begriff der ‚Millennials‘, der heute meist synonym zu ‚Generation Y‘ verwendet wird.

Zur Generation Y – abgekürzt auch ‚Gen Y‘ – zählen in populärwissenschaftlichen Abhandlungen Menschen, die etwa zwischen 1980 und 1999 geboren wurden. Während die einen die Generation Y nur bis zum Jahr 1995 definieren, sprechen sich andere wiederum dafür aus, dass auch die Jahrgänge bis 2000 dazu zählen.

Das Pew Research Center wollte der Debatte, wer nun als Millennial zählt oder nicht, ein Ende setzen ­– und zog im Jahr 2018 eine Grenze zwischen den Millennials und der nächsten Generation.

Überblick über die verschiedenen Generationen | TechMinds

Um einerseits die Generation der Millennials analytisch aussagekräftig zu halten und andererseits mit den Untersuchungen darüber zu beginnen, was an der nächsten Kohorte einzigartig sein könnte, beschloss das Pew Research Center, das Jahr 1996 als letzten Geburtsjahrgang der Millennials zu definieren. Jeder, der zwischen 1981 und 1996 geboren wurde, gilt also laut Pew Research Center offiziell als Millennial – alle danach Geborenen zählen zu einer neuen Generation.

Generation Y in der Arbeitswelt: ‚Y‘ passt zu Lebensumständen 

In der englischen Sprache wird ‚Y‘ als ‚why‘ (/waɪ/) ausgesprochen, was in der deutschen Sprache mit ‚warum‘ übersetzt werden kann. Passend zum Namen hat die Generation Y die Angewohnheit, ihre privaten wie beruflichen Lebensumstände unentwegt nach dem ‚Why‘ – also dem Sinn – abzuklopfen. Schließlich könnte ja etwas Wichtiges übersehen werden!

Millennials unterscheiden sich außerdem alleine schon dadurch von ihren Vorgängern, dass sie als erste Generation überhaupt mit digitalen Technologien aufgewachsen sind –­ und als sogenannte ‚Digital Natives‘ sicher und selbstverständlich mit diesen umgehen können. Nur 21 Prozent der Führungskräfte nutzen laut der aktuellen Studie Work 2035: The Born Digital Effect von Citrix Instant-Messaging-Apps wie Slack oder WhatsApp zu Arbeitszwecken, während 81 Prozent der Digital Natives dies tun. Auch lediglich 26 Prozent der Führungskräfte verwenden diese Apps gerne für ihre tägliche Arbeit – im Vergleich zu 82 Prozent der jüngeren Mitarbeiter. Die veränderten Erwartungen der Millennials an ihre Arbeitgeber sind daher nicht zuletzt auch auf die stets weiter voranschreitende Digitalisierung und Technologisierung zu schieben. 

Übrigens fällt der zahlenmäßige Umfang der Millennials demografisch betrachtet durch die seit Ende der 1960er-Jahre sinkenden Geburtenraten deutlich geringer aus als bei vorherigen Generationen. Diese Entwicklung führt zum heute viel diskutierten Phänomen des Fachkräftemangels auf Seiten der Unternehmen und – je nach Branche ­– zu einer vergleichsweise komfortablen Situation für die Angehörigen der Gen Y auf dem Arbeitsmarkt.

Fachkräftemangel bringt Generation Y in der Arbeitswelt Vorteile

Während die älteren Generationen früher bangen und hoffen mussten, dass die Antwort auf Bewerbungen positiv ausfallen, hat die Generation Y diese Sorge kaum noch. Bis 2036 gehen in Deutschland laut Statistischem Bundesamt knapp 13 Millionen Erwerbstätige in Rente. Der Fachkräftemangel betrifft laut Ifo-Institut jetzt schon fast jeden zweiten Betrieb – und treibt die Anzahl der Stellenausschreibungen in die Höhe.

Aus dem ehemaligen Arbeitgebermarkt ist aufgrund des demografischen Wandels ein Arbeitnehmermarkt geworden. Es gibt einen sehr gut erfassten IT Fachkräftemangel von 96.000 unbesetzten Stellen in Deutschland, sodass Millennials als erste Generation seit Jahrzehnten wieder weitgehend frei aus einer Vielzahl von Jobangeboten wählen können.

Unternehmen befinden sich daher in einem sogenannten ‚War for Talents‘ um die besten Kandidaten ­– und müssen zunehmend auf die Wünsche der jungen High-Potentials eingehen, um sie für sich zu gewinnen. Die Generation Y ist sich dessen bewusst und nimmt sich deshalb die Freiheit, hohe Ansprüche an die Arbeitsbedingungen und den Arbeitsalltag zu stellen.

Doch das alleine ist kein Grund zur Freude. Trotz ihres jungen Alters hat die Generation Y nämlich bereits nationale wie globale Krisen erleben und für sich verarbeiten müssen.

Welt im Umbruch: Diese Krisen bereiten der Gen Y Sorgen

Der Zusammenbruch der Sowjetunion, die Klimakrise, Terrorismus, Öl- und Energiekrise, Fukushima – aber auch Finanzkrise, Rentenreform und Hartz IV: In der Zeit, in der die Generation Y erwachsen wurde, gab es mehrere Ereignisse und Umstände, die zu grundlegenden gesellschaftlichen Umwälzungen und Veränderungen führten – und das innerhalb kürzester Zeit. Es überrascht nicht, dass Unsicherheit und ständiger Wandel für die krisengeschüttelte Generation Y fast schon Standard sind.

Für Arbeitgeber ist es essentiell, die Sorgen und Nöte ihrer Mitarbeiter zu kennen – aber auch die Krisen, die sie beschäftigen. So können Sie Ihre Empathie für jene, medial oftmals in Verruf gebrachte, Generation steigern.

Generation Y in der Arbeitswelt: Wirtschaftskrise 2008

Als sich die Finanzkrise im Jahr 2007 anbahnte, waren die heute 41-jährigen Millennials 26 Jahre alt. In diesem Alter hatten die wenigsten bereits ein nennenswertes Vermögen angehäuft, mussten aber gleichzeitig den wirtschaftlichen Kollateralschaden der Finanzkrise ausbaden.

Noch heute sind einige Auswirkungen dieser Krise deutlich zu spüren: Mit einem durchschnittlichen Nettovermögen von 77.000 Euro sind die heute 40-jährigen Millennials laut Business Insider nur zu 80 Prozent so vermögend wie ihre Eltern damals im gleichen Alter. Dieser Umstand hat Auswirkungen auf das, was Millennials von ihrem Leben erwarten: Wenn Wohlstand trotz Arbeit nicht mehr gewährleistet werden kann, hat das auch Konsequenzen für den Arbeitsethos.

Klimakrise und die Generation Y

Für 28 Prozent der Millennials ist laut Millennial Survey von Deloitte (2022) die Klimakrise die dominierende Sorge. Kein Wunder, bei einer Lebenserwartung von durchschnittlich über 75 Jahren, wie Daten der WHO belegen.

Dies prägt auch ihr Handeln sowie ihre Einstellung zu Wirtschaft und Politik: Zwei Drittel der jungen Generation versuchen, ihre eigenen negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern und Maßnahmen zum Schutz der Umwelt zu ergreifen. Gleichzeitig sollten Unternehmen und Politik aus Perspektive der Millennials mehr – und schneller – handeln. Nur 13 Prozent der Millennials glauben, dass die Bundesregierung genug tut, um den Klimawandel zu bekämpfen. Auch haben knapp vier von zehn Befragten bereits Druck auf ihren eigenen Arbeitgeber ausgeübt, mehr in Sachen Klimaschutz zu tun.

Generation Y in der Arbeitswelt: Steigende Lebenshaltungskosten

Nach dem Klimawandel ist die zweitgrößte Sorge der Millennials nach Angaben des Millennial Surveys der Anstieg der Lebenshaltungskosten: Mehr als einem Viertel der jungen Menschen machen diese im Alltag zu schaffen. Rund 40 Prozent der Befragten in Deutschland gehen zudem von einer Verschlechterung der eigenen wirtschaftlichen Verhältnisse innerhalb der nächsten zwölf Monate aus. Düstere Aussichten also für die Generation Y.

Krieg und Pandemie prägen Bedürfnis nach Sicherheit und Kontinuität 

Steigende Energiepreise, unterbrochene Versorgungsketten und Materialengpässe waren die Folgen der Pandemie – und werden nun durch den russischen Angriff auf die Ukraine weiter verstärkt. Das Bedürfnis nach Sicherheit und Kontinuität ist aufgrund von Krieg und den Auswirkungen der Pandemie gestiegen, was sich anhand konkreter Zahlen feststellen lässt: Fast jeder zweite Millennial (47 Prozent) möchte in den nächsten fünf Jahren laut Deloitte Millennial Survey im derzeitigen Unternehmen bleiben – das sind elf Prozent mehr als im Vorjahr. Die Sprunghaftigkeit der Generation hat also durchaus Grenzen und wird tendenziell von neuen Krisen abgefedert.  

Was zeichnet die Generation Y in der Arbeitswelt aus?

Sie wissen nun, dass die Generation Y politisch stark durch Wirtschaftskrisen, Klimawandel, Krieg und steigende Lebenshaltungskosten geprägt wird. Doch welchen Einfluss haben die widrigen Umstände auf Einstellungen, Werte und Vorlieben der Millennials

Generation Y in der Arbeitswelt: Kritische Haltung

Angesichts der vielen Umbrüche, die Millennials selbst oder über Social Media und Co. miterleben konnten, ist es wenig verwunderlich, dass diese Generation Strukturen, Entscheidungen und Zustände erst einmal gründlich auf den Prüfstand stellt. Fakt ist: Die ständigen und drastischen Veränderungen in der Außenwelt haben sich auch im Denken dieser Generation niedergeschlagen.

Dementsprechend ist das gründliche Hinterfragen von Informationen und das Äußern von Kritik eines der entscheidenden Merkmale der Millennials: Warum sind die Strukturen eines Unternehmens so ­– und nicht anders? Warum sollte die Arbeit einen höheren Stellenwert genießen als das Privatleben? Warum kann ich meine Arbeitszeiten nicht freier gestalten, solange alle Leistungen pünktlich und zufriedenstellend erbracht werden?

Diese Generation stellt scheinbar bewährte Ansichten deutlich in Frage und geht auf der Suche nach Lösungen neue Wege.

Hohes Bildungsniveau verschafft Generation Y Sonderstatus

Neben einem sehr hohen Informations- und Kritikbedürfnis fällt auf, dass es in der Generation Y einen vergleichsweise hohen Bildungsgrad gibt: Laut Statista ist der Anteil der Menschen, die in der Bundesrepublik Deutschland ein Studium begonnen haben, in den Jahren zwischen 2006 und 2013 von 344.000 auf 508.000 Studierende angestiegen.

Im Studienjahr 2018/19 betrug der Anteil der Studienanfänger im ersten Semester sogar 511.000. Demnach studieren in der Generation Y so viele Menschen in Deutschland wie noch nie zuvor. Das macht sich auch durch eine höhere Sensibilisierung in Punkto Sprache, Diskriminierung und Hierarchien bemerkbar. Millennials zeichnen sich durch eine große Offenheit gegenüber anderen Kulturen und einen Sinn für Diversity Management aus. Sie gelten als weniger rassistisch und sexistisch als vorherige Generationen.

Generation Y in der Arbeitswelt: Auf der Suche nach Sinn

Der Anteil jener, die dazu beitragen wollen, „die Welt ein wenig besser zu machen“ (64 Prozent), ist laut Trendstudie zur Gen Y höher als jener, die sich in erster Linie viel leisten können wollen (58 Prozent). Millennials arbeiten also nicht nur, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen – sie wollen eine Beschäftigung mit Sinn.

Die Arbeit muss für Millennials dabei eine bestimmte persönliche Bedeutung, in gewissem Maße eine gesellschaftliche Relevanz und ein Arbeitgeber einen sinnvollen Corporate Purpose haben. Fast die Hälfte der befragten Millennials der neuen globalen Workmonitor-Studie von Randstad geben an, dass sie keinen Job bei einem Unternehmen annehmen würden, der nicht ihren sozialen und ökologischen Ansichten entspricht.

Bedürfnisse der Gen Y im Arbeitsleben

Arbeitgeber hatten, historisch betrachtet, stets mehr Macht über Arbeitnehmer am Arbeitsplatz als umgekehrt. Doch diese Dynamik hat sich in den letzten Jahren stark verschoben. Unternehmen und insbesondere Recruiter müssen sich deshalb umfassend mit den Bedürfnissen und Vorstellungen der Millennials auseinandersetzen, um diesen gerecht zu werden. Nur so kann es Ihnen gelingen, wertvolle Fach- und Führungskräfte an Ihr Unternehmen zu binden.

Doch worauf legt die Generation Y in der Arbeitswelt Wert? Ein kleiner Ausblick bereits vorab: Die weichen, immateriellen Faktoren spielen eine weitaus wichtigere Rolle als ‚harte‘ wie Geld.

Generation Y in der Arbeitswelt: Mitsprache und Partizipation

Eine Randstad-Studie, die mit 35.000 Arbeitnehmern durchgeführt wurde, ergab, dass zwei von vier Arbeitnehmern der jüngeren Generation lieber arbeitslos wären, als in einem Job festzusitzen, der ihnen nicht gefällt. Dazu tragen auch starre Hierarchien bei, die auf viele Millennials abschreckend wirken. „So machen wir das“-Ansagen funktionieren bei der Generation Y nicht, im Gegenteil: Millennials wollen mitgestalten und mitentscheiden. Vor allem, wenn es um ihre eigene Work-Life-Balance geht.  

Arbeit steht für Millennials nicht an erster Stelle

Der klassische 9-to-5-Job ist für Millennials genauso passé wie unbezahlte Überstunden zur Freude des Vorgesetzten. Überlagert wurden sie von dem starken Wunsch der Generation Y in der Arbeitswelt nach mehr Zeit zugunsten von Gesundheit und Familienleben. Millennials geben damit ein Stück Sicherheit im Tausch gegen Flexibilität, wechselnde Erfahrungen, spannende Einblicke und Sabbaticals auf.

Das führt dazu, dass immer mehr junge Berufstätige zu Jobnomaden werden, die projektweise den Arbeitgeber wechseln und mal im Büro, mal zu Hause oder im Ausland arbeiten.

Generation Y in der Arbeitswelt will Vorgesetzte auf Augenhöhe

Vorgesetzte, die schreien und Aufgaben aufoktroyieren, Mitarbeiter, die stumpf nach Vorschrift arbeiten und Kleiderordnungen von vorgestern ­– all das sind Faktoren, die Millennials als Grund sehen, einem Unternehmen schnellstmöglich den Rücken zu kehren.

Manager, die hingegen mit flachen Hierarchien, hoher Entscheidungskompetenz und lockeren Umgangsformen punkten, haben deutlich bessere Chancen, vom Millennial ihres Vertrauens zu profitieren.

Weiterbildungsmöglichkeiten als Selbstverständlichkeit 

Neben einem allgemein hohen Bildungsniveau vor dem Eintritt in das Berufsleben begleitet der Wunsch nach lebenslangem Lernen die Generation Y bis auf ihrem Lebens- und Berufsweg.

Möglichkeiten zur Weiterbildung sind nicht nur für die Personalbindung förderlich, sondern auch gewinnbringend für das Unternehmen, denn: Mit jeder Fortbildung erlernen Mitarbeiter neue Skills und bereichern ihr spezifisches Fachwissen. Dadurch sind sie in der Lage, neue Aufgaben und Verantwortungen zu übernehmen, was wiederum zu einer Steigerung der Zufriedenheit führt. 

Generation Y in der Arbeitswelt: Mental-Health-Awareness

Wie wichtig die Unterstützung in Bezug auf die psychische Gesundheit für Millennials ist, zeigte der Deloitte Millennial Survey 2021 im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. 46 Prozent der Millennials in Deutschland gaben an, dass ihr Unternehmen ihnen zu wenig Unterstützung für ihr psychisches Wohlbefinden während der Pandemie angeboten hat.

Dabei sollte mentale Gesundheit längst kein Tabu mehr sein – schließlich sind psychische Erkrankungen derzeit laut Statista die drittwichtigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit in Deutschland. Als Arbeitgeber sollten Sie deshalb darauf achten, dass die Generation Y am Arbeitsplatz die Möglichkeit bekommt, offen über Bedürfnisse, Probleme und Therapieansprüche zu sprechen. Mentorings bieten dafür beispielsweise ein gutes Setting. 

Millennials suchen kollegiale Arbeitsatmosphäre

Ein kollegiales Arbeitsklima und ein harmonisches Team gehören für die Generation Y zu den entscheidenden Kriterien bei der Wahl eines Arbeitgebers. Ein Netzwerk interessanter Kollegen und eine auf flachen Hierarchien basierende, aber dennoch professionelle Arbeitsorganisation motivieren Millennials mehr, als ein überdurchschnittliches Gehalt.

Empathie sollte eine Selbstverständlichkeit sein, ist es leider aber nicht immer“, konstatiert Barbara Wittmann, Country Managerin bei LinkedIn Deutschland, Österreich und Schweiz. Deswegen empfiehlt sie jungen Berufsstartern, ihre Erwartungen klar zu äußern. Zum Beispiel indem sie darum bitten, dass bei der täglichen Teambesprechung nicht nur Projekte besprochen werden, sondern auch Raum für Persönliches bleibt.

Generation Y in der Arbeitswelt: Beliebte Arbeitsmodelle

Aufgrund ihrer Sozialisation und der frühen Konfrontation mit wirtschaftlichen und politischen Krisen möchten Millennials auf Augenhöhe behandelt und in Entscheidungen miteinbezogen werden. Partizipation, eine kollegiale Arbeitsatmosphäre und eine Beschäftigung mit Sinn sind ihnen wichtiger als Status und Geld alleine.

Merkmale der Generation Y in der Arbeitswelt | TechMinds

Ihr hohes Bedürfnis nach Privatleben und Freizeitaktivitäten kollidiert mit der altbekannten Festanstellung in Vollzeit. Laut einer repräsentativen Befragung im Rahmen der Studie Arbeiten in Deutschland von XING (2017/2019) wünschen sich Beschäftigte unter 35 Jahren im Schnitt eine Verkürzung der Arbeitswoche um drei Stunden – doppelt so viel wie ältere Arbeitnehmer über 55 Jahren.

Auch was das Thema Überstunden angeht, unterscheiden sich Millennials von ihren Eltern. Der Arbeitszeitmonitor des Hamburger Vergüstungsanalysten Compensation Partner zeigt, dass Beschäftigte über 60 Jahre im Schnitt 3,7 Stunden länger pro Woche am Arbeitsplatz bleiben, Millennials lediglich 2,5 Stunden.

Für Arbeitgeber stellt sich nun die Frage: Welche Arbeitsmodelle passen zu den Bedürfnissen und Vorstellungen der Generation Y in der Arbeitswelt? 

Arbeitsmodell für Millennials: Teilzeit

17 Prozent der befragten Millennials geben im Millennial Survey an, gerne mit kürzeren Arbeitszeiten experimentieren zu wollen. Hierfür bietet sich vor allem ein Teilzeitarbeitsmodell an, das gleichzeitig den Oberbegriff für unterschiedliche Ausprägungen bildet, die auf täglichen, wöchentlichen oder jährlichen Arbeitszeitverkürzungen basieren. Dazu gehören beispielsweise Wahlarbeitszeit, Jobsharing, flexible Jahres- und Lebensarbeitszeit oder später die Altersteilzeit.

Auch die Auswirkungen der Pandemie prägen die Arbeitszeitmodelle: 90 Prozent der jungen Mitarbeiter wollen laut Citrix-Studie Work 2035 nach der Pandemie nicht wieder Vollzeit im Büro arbeiten.

Homeoffice ideal für Generation Y in der Arbeitswelt

Desksharing oder flexibles Büro sind die Schlagworte, die das neue Gegenmodell zum jahrzehntelang genutzten, persönlich eingerichteten Arbeitsplatz mit Familienfoto im Büro stehen. Innerhalb der Organisationsform eines Unternehmens wird es schon in naher Zukunft weniger Arbeitsplätze als Mitarbeiter geben. Der Grund hierfür ist simpel: Arbeitnehmer wollen ihren Arbeitsort selbst und flexibel wählen, sei es zu Hause im Homeoffice oder an einem der Hotspots für digitale Nomaden dieser Welt.  

Diese neu gewonnene Flexibilität wird auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie von Millennials erleichtern. Spätestens mit dem Aufkommen von Clouds und flächendeckend verfügbarem Wi-Fi verliert die Verpflichtung, sich im Büro blicken zu lassen, an Glaubwürdigkeit.   

Flexible Arbeitszeiten sind wertvoll für Millennials

Die Generation Y hält es für wertvoll und wichtig, selbst entscheiden zu können, wann genau sie am Morgen mit der Arbeit beginnt: Vorher noch ins Fitnesscenter oder mit dem Hund Gassi gehen – warum eigentlich nicht?

Flexible Arbeitszeiten sind für Millennials einerseits die logische Konsequenz eines Paradigmenwechsels, andererseits Notwendigkeit, um Privatleben und Beruf miteinander verbinden zu können. Das gilt längst nicht nur für Familien: Auch Singles schätzen ihre Freizeit und wollen ihr Leben gestalten können, ohne regelmäßig mit unvorhergesehenen Einschränkungen durch den Job rechnen zu müssen.

Die folgende Grafik verdeutlicht die bevorzugten Arbeitszeiten der ‚Born Digitals‘ in einer Welt nach der Pandemie. In den Jahren 2020 und 2021 wurden weltweit 1.250 Millennials aus dem Wissensarbeit-Sektor interviewt. Obwohl sich mehr als die Hälfte der Befragten immer noch für verhältnismäßig traditionelle Arbeitsmodelle ausspricht, strebt die andere Hälfte nach fließenden Arbeitszeiten, nach Erfüllung von persönlichen Bedürfnissen und leistungsbezogenen Arbeitszeiten.

Generation Y in der Arbeitswelt, bevorzugte Arbeitszeiten | TechMinds

Generation Y in der Arbeitswelt: 5 Tipps fürs Recruiting  

Sie wissen jetzt, wie die Generation Y denkt, fühlt und funktioniert. Im folgenden Abschnitt wollen wir Ihnen fünf hilfreiche Tipps geben, die Sie dabei unterstützen, die anspruchsvollen Millennials in Punkto Recruiting abzuholen. 

1. Achten Sie auf die richtigen Kanäle

Beschränken Sie sich im Recruiting von Millennials keinesfalls auf Offline-Maßnahmen. Schließlich ist die Generation Y mit den digitalen Medien aufgewachsen und häufig auf Social Media aktiv. Sie können sich sicher sein, dass Millennials Ihr Unternehmen einem Arbeitgebercheck in den sozialen Medien unterziehen, bevor sie sich bewerben. Das Gute daran: Soziale Medien ermöglichen es einer Marke, Geschichten über sich selbst zu erzählen und zu zeigen, wie das tägliche Leben im Unternehmen aussieht, welche höheren Ziele die Organisation verfolgt oder was für Nachhaltigkeit und Umwelt getan wird. 

Unser Tipp: Führen Sie Ihr Employer Branding unbedingt auch auf Ihren Social-Media-Kanälen fort, damit sich interessierte Kandidaten von selbst nach Ihren aktuellen Stellen umsehen.

2. User-Experience: Mobile first für Generation Y in der Arbeitswelt

Millennials sitzen längst nicht mehr nur an ihren Computern. Ob Handy, Tablet oder Netbook: Generation Y nutzt für die Jobsuche alle Geräte, auch nebenbei. Gehen Sie also auf Nummer sicher, dass Ihre Stellenanzeigen und Karriereseiten auf mobiles Recruiting optimiert sind. Es wäre schade, wenn Ihre Annoncen auf dem Mobiltelefon nicht korrekt angezeigt werden – schließlich gehört der smoothe Bewerbungsprozess heutzutage zu einer zufriedenstellenden Candidate Experience.

Außerdem sollten Sie den Kandidaten die Möglichkeit geben, sich mobil zu bewerben – zum Beispiel via One-Click-Bewerbungen.

3. Bleiben Sie glaubwürdig 

Ausgerechnet die internetaffine Generation Y legt wenig Wert auf Recruiting-Inhalte, die Spaß machen. In einer Studie zum Thema ‚Recruiting Content‘ gaben nur vier Prozent der Befragten an, dass sie sich von Inhalten mit Unterhaltungswert angesprochen fühlen, wenn sie auf der Suche nach einem Job sind. 56 Prozent erwarten dagegen einen glaubwürdigen Auftritt des Unternehmens, rund 48 Prozent legen zudem Wert auf einen hohen Informationsgehalt.

Die Generation Y geht also sehr ernsthaft an die Themen Jobs, Karriere, Arbeitgeber und Bewerbungen heran und sucht Ablenkung und Zerstreuung in anderen Lebensbereichen. 

4. Veranstalten Sie Recruiting-Events in Ihren Räumlichkeiten

Die umtriebige Generation Y in der Arbeitswelt weiß, was sie will, und hat klare Erwartungen an eine Recruiting-Veranstaltung. Ziel ist es, das Unternehmen kennenzulernen. Deshalb schneiden die eigenen Räumlichkeiten auch besser ab, als vermeintlich kreative Veranstaltungsorte.

Allerdings darf diese vermeintliche Genügsamkeit nicht falsch interpretiert werden: Die Nutzung der Räumlichkeiten, die Unternehmenspräsentation und Co. dürfen gerne hochwertig, kreativ und überraschend sein – sollten aber auch authentisch und vor allem informativ bleiben.

5. Versprechen halten mit hohem Stellenwert für Millennials

Die wichtigste Regel für die Mitarbeiterbindung der Generation Y in der Arbeitswelt nach dem Recruiting: Halten Sie bitte, was Sie versprechen! Wenn Sie in Ihren Stellenanzeigen und auf Ihrer Karriereseite beispielsweise auf flache Hierarchien, regelmäßige After-Work-Events und flexible Arbeitszeiten hinweisen, werden Ihre Kandidaten das auch erwarten. Registrieren Millennials, dass die Versprechen nicht eingehalten werden, werden Sie Ihr Unternehmen schneller verlassen, als die Probezeit vorbei ist.

Fazit: Generation Y in der Arbeitswelt

Die flexible, vermeintlich sprunghafte Natur der Millennials hat sich inzwischen als anpassungsfähige, selbständige und unabhängige Arbeitsweise erwiesen. Mit ihrem selbstbewussten Anspruch auf Mitbestimmung, Sinngebung und Selbstorganisation im Arbeitsleben hat die Generation Y New Work und Arbeit 4.0 inspiriert und die nachfolgende Generation ­– die sogenannte Gen Z – maßgeblich miterzogen.

Ältere und jüngere Generationen haben es den Millennials zu verdanken, dass sie inzwischen über Arbeitszeit und -ort mitbestimmen können, dass Begriffe wie Home-Office und Work-Life-Balance überhaupt eine Rolle spielen und moderne Bürokonzepte Unternehmen in ganz Deutschland bereichern. 

Für Unternehmen leistet die Gen Y zudem aufgrund ihrer Technikaffinität einen besonderen Beitrag in Sachen Digitalisierung in Deutschland. Dies verdanken Unternehmen auch dem hohen Bildungsgrad und der internationalen Erfahrung, die viele Millennials durch Erasmus-Aufenthalte im Ausland mitbringen.

Auch wenn der Versuch, Führungskulturen und die Arbeitswelt auf den Kopf zu stellen, nicht immer auf Gegenliebe stößt, sind gerade die Forderungen nach Flexibilität und Selbstbestimmung ein positiver Aspekt, der den gesamten Arbeitsmarkt unwiderruflich verändert hat.

Sind die Bedürfnisse der Millennials erst einmal befriedigt, leisten sie einen sehr guten Beitrag, von dem auch ältere Mitarbeiter abteilungsübergreifend profitieren können. Vor allem wenn Millennials Spaß an ihrem Job haben und ihnen Modelle angeboten werden, in denen sie Familie und Beruf vereinbaren können, scheuen sie auch vor schwierigen Herausforderungen nicht zurück.

Anders als es das Klischee suggeriert, sind Millennials weder faul noch selbstgefällig. Sie wissen einfach, was sie wollen – und welchen Preis sie bereit sind, dafür zu zahlen.

Florenz Klasen | TechMinds Personalberatung Team

AUTOR DES BEITRAGS

Florenz Klasen, Wirtsch.-Ing. (Managing Partner, Senior HR Consultant)

Der gebürtige Hamburger, Florenz Klasen, studierte Wirtschaftsingenieurwesen in Hamburg und Birmingham. Zunächst arbeitete Herr Klasen im internationalen Tech-Konzern NXP und arbeitet nun seit über 7 Jahren im Executive / Expert Search. LinkedIn-Profil >  | Interview mit Florenz Klasen >

Herr Klasen ist bei TechMinds Ihr primärer Ansprechpartner, ob zu Personalvermittlung von Führungskräften für IT & Tech, Fachkräftevermittlung oder Personalberatung für Digitale Transformation. TechMinds ist die Tech & IT Personalvermittlung und spezialisierter Tech & IT Headhunter mit Boutique-Charakter.

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