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Inhaltsverzeichnis
- KI in der Arbeitswelt: Transformation der Arbeitsweise
- Künstliche Intelligenz und Arbeitsplätze: Die Automatisierung von Tätigkeiten
- KI in der Arbeitswelt: Das Entstehen neuer Arbeitsplätze
- Kann KI die Fachkräftelücke schließen?
- KI in der Arbeitswelt: Die Rolle von Bildung und Umschulungen
- Welchen Einfluss hat KI auf Berufe weltweit? Welche geschlechtsspezifischen Auswirkungen gibt es?
- Wie wird sich KI auf die Gesellschaft auswirken?
- Fazit: KI in der Arbeitswelt
- Häufige Fragen zu KI in der Arbeitswelt
Das Wichtigste in Kürze
Kaum drei Jahre nach dem Start von ChatGPT ist künstliche Intelligenz (KI) im Arbeitsalltag angekommen. Laut Gallup Engagement Index Deutschland 2025 berichten 64 % der Beschäftigten, dass ihr Unternehmen KI einsetzt, 48 % nutzen sie regelmäßig bei der Arbeit.
Mit der Verbreitung wächst allerdings auch die Unsicherheit: Hielten 2018 noch 72 % der Beschäftigten einen Jobverlust durch KI für unwahrscheinlich, ist es heute nur noch die Hälfte. Ist künstliche Intelligenz also ein Schreckgespenst, das im großen Stil Arbeitsplätze vernichtet, oder schafft sie neue Möglichkeiten und Berufsbilder? Wir gehen dieser Frage auf den Grund.
KI in der Arbeitswelt: Transformation der Arbeitsweise
Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt bezeichnet den Einsatz lernender Systeme, die Aufgaben übernehmen, unterstützen oder beschleunigen, von der Texterstellung über die Datenanalyse bis zur Steuerung von Maschinen.
Unbestreitbar ist, dass KI und die damit verbundene Automatisierung bestimmte Arbeitsplätze in einigen Branchen überflüssig machen. Das gilt insbesondere für repetitive Aufgaben in der Fertigungsindustrie, im Einzelhandel und in der Verwaltung. Roboter und Software erledigen solche Aufgaben schlichtweg schneller und genauer als Menschen, ohne Urlaub oder Pausen zu benötigen. Intelligente Systeme kennen keine Teamkonflikte, verfallen nicht in Burnout und müssen nicht immer wieder neu motiviert werden.
Doch nicht immer führt künstliche Intelligenz zu Stellenstreichungen. Häufig wird KI ergänzend eingesetzt, wodurch Mitarbeiter mehr Kapazität für anspruchsvollere Aufgaben gewinnen. Ein Beispiel ist die Kundenbetreuung: Chatbots und virtuelle Assistenten bearbeiten einfache Anfragen, während Mitarbeiter sich komplexeren Kundenanliegen widmen, die menschliches Einfühlungsvermögen erfordern. Das verbessert nicht nur die Qualität der Dienstleistung, sondern erhöht auch die Zufriedenheit der Belegschaft.
Sicher ist: Künstliche Intelligenz verändert unsere Arbeitsprozesse grundlegend und in hohem Tempo.
Künstliche Intelligenz und Arbeitsplätze: Die Automatisierung von Tätigkeiten
In welchen Bereichen ist damit zu rechnen, dass künstliche Intelligenz menschliche Arbeitskräfte ersetzt? Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, hat ihre vielbeachtete Analyse zu generativer KI und Beschäftigung 2025 gemeinsam mit dem polnischen Forschungsinstitut NASK grundlegend aktualisiert.
Das Ergebnis: Weltweit arbeitet jeder vierte Beschäftigte in einem Beruf, der in Teilen durch generative KI erledigt werden kann. In die höchste Expositionskategorie fallen 3,3 % der weltweiten Beschäftigung. Am stärksten betroffen bleiben klassische Büro- und Verwaltungsberufe, bei denen ein großer Teil der Tätigkeiten aus Textarbeit, Datenerfassung und Routinekommunikation besteht.
Die Grafik zeigt, welche Berufsgruppen besonders von generativer KI beeinflusst werden. Deutlich sichtbar wird, dass das Automatisierungspotenzial bei Büroangestellten mit Abstand am größten ist, während Handwerk, Pflege und viele Managementaufgaben nur geringe Anteile automatisierbarer Tätigkeiten aufweisen. Zugleich hebt die ILO hervor, dass zunehmend auch stark digitalisierte Fach- und Wissensberufe exponiert sind, weil generative Modelle inzwischen spezialisierte Aufgaben in professionellen und technischen Rollen übernehmen können.
Die Automatisierung durch KI ist also längst nicht mehr auf einfache Tätigkeiten beschränkt. Die Versicherungsbranche nutzt die Technologie für die Analyse großer Datenmengen in der Schadenbearbeitung und Risikobewertung. Fortschrittliche KI-Systeme führen komplexe Aufgaben in der Medizin aus: Bereits heute analysieren Algorithmen Röntgenbilder automatisch. Selbst in der Kreativbranche, die lange als unangreifbar galt, ist KI etabliert. Sie schreibt Drehbücher und Werbetexte, generiert Bilder, bearbeitet Fotos und komponiert Musik.
KI in der Arbeitswelt: Das Entstehen neuer Arbeitsplätze
Künstliche Intelligenz zerstört jedoch nicht nur Arbeitsplätze, sondern schafft auch neue. Die zentrale Botschaft der aktuellen ILO-Analyse lautet: Das wahrscheinlichste Szenario ist die Transformation von Berufen, nicht ihre Verdrängung, denn die meisten Tätigkeiten erfordern weiterhin menschlichen Input. Besonders in diesen Bereichen werden durch den Einsatz von KI Fachkräfte benötigt:
Entwicklung und Betrieb von KI-Systemen: Gefragt sind Datenwissenschaftler, Softwareentwickler und Machine-Learning-Engineers, die Modelle trainieren, in Anwendungen integrieren und im Betrieb überwachen. Zum Anforderungsprofil gehören heute Themen wie LLM-Integration, Retrieval Augmented Generation (RAG) und MLOps. In unserem Beitrag zum Berufsbild des KI-Experten finden Sie mehr Details.
Anpassung und Integration in bestehende Branchen: Wer KI in seine Geschäftsprozesse holt, braucht Systemintegratoren und Berater, die die Technologie auf die eigenen Anforderungen zuschneiden.
KI-Governance und Qualitätssicherung: Mit der europäischen KI-Verordnung entstehen Rollen zwischen Technik, Recht und Organisation, etwa für die Risikobewertung, die Dokumentation und die Überwachung der Systeme im laufenden Betrieb.
Aufstrebende Branchen und neue Anwendungen: KI eröffnet Geschäftsfelder, die zuvor nicht existierten. Die Entwicklung autonomer Fahrzeuge etwa hat eine anhaltende Nachfrage nach Ingenieuren, Datenanalysten und Sicherheitsexperten geschaffen.
Kann KI die Fachkräftelücke schließen?
Egal, ob in der Pflege, im Ingenieurwesen oder in der Verwaltung: Fast überall fehlen Fachkräfte. Die Hoffnung, dass KI diese Lücke schließt, ist groß. Aber wie realistisch ist das? Beispiele für die Entlastung von Mitarbeitern durch künstliche Intelligenz finden sich inzwischen in vielen Branchen: In Arztpraxen nehmen Sprachassistenten Anrufe entgegen, vergeben Termine und nehmen Rezeptbestellungen auf. In der Justizverwaltung analysieren und sortieren KI-Systeme umfangreiche Verfahrensdokumente, wodurch Richter Fälle schneller bearbeiten können. Im Handwerk beschleunigt die Technologie die Sachbearbeitung, wodurch mehr Zeit für handwerkliche Dienstleistungen bleibt.
Künstliche Intelligenz in der Arbeitswelt kann also dazu beitragen, bestehende Arbeitskräfte effizienter einzusetzen, indem sie repetitive Aufgaben automatisiert und Fachleuten mehr Zeit für anspruchsvollere Aufträge verschafft. Darüber hinaus übernimmt KI Aufgaben, für die normalerweise spezialisierte Kenntnisse erforderlich sind. In der Medizin unterstützen KI-Systeme bei der Analyse von Bildern und diagnostischen Verfahren, was die Arbeitsbelastung der Ärzte verringert. In der IT-Branche helfen sie bei der Überwachung von Netzwerken und bei der Fehlerbehebung. Damit wirken sie auch dem IT-Fachkräftemangel entgegen.
Die gesamte Fachkräftelücke wird KI dennoch nicht schließen. Sie sorgt für Effizienzsteigerung und die Automatisierung vieler Tätigkeiten, aber menschliche Expertise und Urteilsvermögen bleiben unersetzlich. Die Grafik zeigt, welche Aufgabenanteile sich nach den Erkenntnissen der ILO-Analyse automatisieren lassen und welche menschlichen Input erfordern.
KI in der Arbeitswelt: Die Rolle von Bildung und Umschulungen
In einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt sind die Anforderungen an Mitarbeiter vielfältiger und anspruchsvoller denn je. Neben den klassischen fachlichen Qualifikationen entscheiden neue Kompetenzen darüber, wer von den Chancen der KI profitiert.
Der europäische Gesetzgeber hat daraus bereits eine Pflicht gemacht: Seit Februar 2025 verlangt Artikel 4 der KI-Verordnung von Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, die KI-Kompetenz ihres Personals nach besten Kräften zu fördern. KI-Schulungen sind damit kein freiwilliges Extra mehr, sondern Teil der Compliance. Schlüsselkompetenzen für den Arbeitsmarkt der Zukunft sind:
Welchen Einfluss hat KI auf Berufe weltweit? Welche geschlechtsspezifischen Auswirkungen gibt es?
Die Auswirkungen der künstlichen Intelligenz auf die Gesellschaft sind vielschichtig und gewinnen weiter an Bedeutung. Neben den genannten positiven wie negativen Aspekten bringt die Technologie sozioökonomische Herausforderungen mit sich. Wie wird sichergestellt, dass die Veränderung traditioneller Berufsbilder nicht zu mehr Arbeitslosigkeit und größerer wirtschaftlicher Ungleichheit führt?
Die ILO hat dazu 2025 die weltweite Beschäftigung nach Einkommensniveau der Länder und nach Geschlecht ausgewertet. Folgende Schlüsse lassen sich daraus ziehen:
#1 Die Zahl der Arbeitsplätze mit Erweiterungspotenzial, bei denen KI die Arbeitskraft unterstützt, ist deutlich höher als die Zahl der Arbeitsplätze mit hohem Automatisierungspotenzial, bei denen KI die Arbeitskraft ersetzen könnte.
#2 Die Betroffenheit steigt mit dem Wohlstand: In Ländern mit hohem Einkommen sind 34 % der Beschäftigung in irgendeiner Form exponiert, in Ländern mit niedrigem Einkommen nur 11 %. Wohlhabendere Länder erleben stärkere Umbrüche, können dank des Erweiterungspotenzials langfristig aber auch höhere Nettogewinne erzielen.
#3 Weltweit arbeiten 4,7 % aller weiblichen Beschäftigten in Berufen der höchsten Expositionskategorie, verglichen mit 2,4 % der männlichen Beschäftigten.
#4 In Ländern mit hohem Einkommen verschärft sich dieses Gefälle: Dort liegt der Anteil der potenziell am stärksten betroffenen Frauenarbeitsplätze bei 9,6 %, fast dreimal so hoch wie der Anteil von 3,5 % bei den Männern.
#5 Der Grund liegt in der Berufsstruktur: Frauen sind in Büro- und Verwaltungsberufen überrepräsentiert, die die höchste Exposition aufweisen.
#6 Jede Form des technologischen Übergangs hat also eine stark geschlechtsspezifische Wirkung. Ein schlecht gesteuerter Prozess würde Frauen unverhältnismäßig schaden, während ein gut gestalteter Übergang wichtige Chancen für die Stärkung der Rolle der Frau bietet.
Es ist also entscheidend, Bildungs- und Umschulungsprogramme zu entwickeln, um die Bevölkerung auf KI in der Arbeitswelt vorzubereiten.
Wie wird sich KI auf die Gesellschaft auswirken?
Von großer gesellschaftlicher Bedeutung ist der Umgang mit den ethischen Fragen rund um die Technologie. Die im Recruiting eingesetzten KI-Systeme, die bei der Personalauswahl helfen sollen, sind nicht ohne Grund umstritten: Ob sie eine faire Vorauswahl treffen, hängt von den Daten ab, mit denen sie trainiert wurden. Lesen Sie dazu auch unseren Artikel Künstliche Intelligenz im Recruiting.
Die Gefahr von Urheberrechts- und Datenschutzverstößen durch KI-Tools besteht immer dann, wenn geschützte Inhalte und personenbezogene Daten zum Training der Anwendungen genutzt werden. Die EU hat darauf mit der KI-Verordnung (AI Act) reagiert, die seit August 2024 in Kraft ist und stufenweise zur Anwendung kommt. Seit Februar 2025 sind besonders riskante Praktiken verboten, darunter die Emotionserkennung am Arbeitsplatz, außerdem gilt seither die Pflicht zur Förderung von KI-Kompetenz.
Seit dem 2. August 2026 greifen Transparenzpflichten: Chatbots müssen sich als KI zu erkennen geben, KI-generierte Inhalte sind zu kennzeichnen. Die umfangreichen Pflichten für Hochrisiko-Systeme, zu denen auch KI in der Personalauswahl zählt, wurden durch die im Juli 2026 verabschiedete Omnibus-Verordnung auf den 2. Dezember 2027 verschoben. An der Einstufung selbst ändert das nichts: Wer KI über Menschen entscheiden lässt, trägt besondere Verantwortung.
Zusätzlich sollten Regierungen und Unternehmen in Bildungsprogramme und Umschulungsmaßnahmen investieren, um den Menschen den Übergang in die von KI geprägte Arbeitswelt zu erleichtern und sicherzustellen, dass betroffene Arbeitskräfte sowohl Unterstützung erhalten als auch alternative Beschäftigungsmöglichkeiten finden.
Fazit: KI in der Arbeitswelt
Ob künstliche Intelligenz langfristig mehr Jobs schafft als zerstört, ist schwer vorherzusagen. Die aktuelle Studienlage zeichnet jedoch ein differenziertes Bild: Nach der ILO-Analyse von 2025 ist die Transformation von Berufen deutlich wahrscheinlicher als ihre flächendeckende Verdrängung, weil die meisten Tätigkeiten menschlichen Input erfordern. Die Auswirkungen von KI auf den Arbeitsmarkt hängen von vielen Faktoren ab, etwa von der Art der Tätigkeit, der Branche, den Investitionen in Bildung und Umschulung und von der Ausgestaltung der Regulierung.
Eines ist sicher: KI führt zu einem tiefgreifenden Wandel, sowohl in der Arbeitswelt als auch in der Gesellschaft. Sie birgt Risiken, aber auch Möglichkeiten. Es ist Aufgabe der Politik und der Unternehmen, einen Rahmen zu schaffen, der den Menschen Chancen bietet, sich an die veränderten Bedingungen anzupassen. Und schließlich liegt es an jedem Einzelnen, diese Chancen zu nutzen. Vertiefend dazu: unser Leitfaden zu durch KI gefährdete Jobs. Was dabei zählt, beschreibt unser Artikel über KI im Recruiting.
Häufige Fragen zu KI in der Arbeitswelt
Am stärksten exponiert sind Büro- und Verwaltungsberufe, in denen Textarbeit, Datenerfassung und Routinekommunikation einen großen Teil der Tätigkeit ausmachen. Nach der ILO-Analyse von 2025 nimmt die Exposition zudem in stark digitalisierten Fach- und Wissensberufen zu. Handwerkliche, pflegende und körpernahe Berufe weisen dagegen die geringsten automatisierbaren Anteile auf.
Nach aktuellem Forschungsstand ist das unwahrscheinlich. Die ILO kommt 2025 zu dem Ergebnis, dass die Transformation von Berufen das wahrscheinlichste Szenario ist, weil die meisten Tätigkeiten weiterhin menschlichen Input erfordern. Gleichzeitig entstehen neue Rollen in Entwicklung, Integration und Governance von KI-Systemen. Entscheidend ist, ob Beschäftigte durch Weiterbildung den Wandel mitgehen können.
Ja. Weltweit arbeiten 4,7 % der weiblichen Beschäftigten in Berufen der höchsten Expositionskategorie, bei Männern sind es 2,4 %. In Ländern mit hohem Einkommen liegt das Verhältnis bei 9,6 % zu 3,5 %. Der Grund ist die Berufsstruktur: Frauen sind in den besonders exponierten Büro- und Verwaltungsberufen überrepräsentiert.
Die europäische KI-Verordnung gilt stufenweise. Seit Februar 2025 sind besonders riskante Praktiken wie die Emotionserkennung am Arbeitsplatz verboten, außerdem müssen Unternehmen die KI-Kompetenz ihres Personals fördern. Seit August 2026 gelten Transparenzpflichten, etwa die Kennzeichnung von KI-Chatbots und KI-generierten Inhalten. Die Pflichten für Hochrisiko-Systeme, darunter KI in der Personalauswahl, greifen nach der Omnibus-Verordnung ab dem 2. Dezember 2027.
An Bedeutung gewinnen Datenkompetenz, der souveräne Umgang mit KI-Systemen, kritisches Denken und Kommunikationsfähigkeit. Gefragt ist die Fähigkeit, Aufgaben präzise an KI zu delegieren und die Ergebnisse fachlich zu prüfen. Menschliche Qualitäten wie Kreativität, Empathie und Urteilsvermögen bleiben unersetzlich und werden im Zusammenspiel mit KI sogar wertvoller.
